(307) Sie setzten sich mit ihren Kaffeetassen auf das Sofa.

von Alain Fux

Sie setzten sich mit ihren Kaffeetassen auf das Sofa. „Kannst du dich noch an unseren ersten Urlaub in Kanada erinnern?“, fragte er und schaute sie prüfend an. „Natürlich kann ich das“, antwortete sie. „Als du noch Pfeife geraucht hast und eines Nachts fast unser Zelt abgefackelt hast.“ Er lachte. „Das stimmt, hatte ich völlig verdrängt. Aber das meinte ich nicht.“

Oswald erzählte von dem Tag am Peel River, als ein Trapper an ihrem Zeltplatz vorbei gekommen war. Er hatte einen kleinen zahmen Schwarzbären dabei, der hinter ihm her trottete. Oswald und Rosmarie hatten die Vermutung gehabt, dass der etwas verwahrloste Outdoorsman die Mutter auf dem Gewissen haben musste. Sie hatten aber nicht gewagt,  nachzufragen. Der kleine Bär hatte einen Narren an Rosmarie gefressen und wollte ständig von ihr gekrault werden. Einmal kletterte er ihr an der Jeans hoch, weil sie einen Apfel in der Hand hielt.

„Und diese Erinnerung“, fuhr Oswald fort, „ist mein schönstes Bild von dir aus all den Jahren. Ich sehe dich jetzt noch dastehen, mit diesem schwarzen Knäuel am Bein hängen. Jedes Mal, wenn wir uns gestritten haben oder wir nicht zusammen waren – wenn ich an diesen Moment dachte, habe ich mich unweigerlich erneut in dich verliebt. Und das hat was mit der Natur zu tun. Du warst für mich wie Jane Goodall. Eins mit der Welt.“ – Aha“, neckte sie ihn, „jetzt kommen wir der Wahrheit schön näher. Du warst also scharf auf Jane Goodall!“

Jetzt musste er lachen: „Nein, ich war immer nur scharf auf dich. Und für mich siehst du am schärfsten aus, wenn du draußen in der Natur bist. Deshalb möchte ich ja gerne mit dir aufs Land ziehen.“ Sie schüttelte den Kopf. „Das ist eine fiese Masche. Erst machst du einem die schlimmsten Komplimente und dann kommst du wieder auf das gleiche Argument zurück wie vorhin. Du bist durch nichts von deinem Plan abzubringen.“ Er grinste sie über den Tassenrand an und trank einen Schluck Kaffee.

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