(302) Babyboom bei den Promis.

von Alain Fux

„Babyboom bei den Promis. Schwanger. Mutter. Turbomutter. Ich kann es nicht mehr hören.“ Julius legte das Magazin zurück auf den Haufen mit den anderen verblätterten Lesezirkelzeitschrifen. Heini sah ihn im Spiegel an. „Ein wunder Punkt?“, fragte er.

„Ich will endlich Enkel haben. Die biologische Uhr tickt. Irgendwann ist Judith zu alt, und ich könnte auch schon morgen umfallen.“ Heini nickte und drehte den Kopf so zur Seite, wie es ihm von Leonhards Händen vorgegeben wurde. „Was fehlt Ihnen denn“, meinte Leonhard, „Sie können doch alles tun, was Sie möchten.“ – „Ich will einen Kinderwagen schieben, in den Park gehen oder in den Zoo. Geschenke machen… Ich will der liebste Großvater sein.“ – „Ach, du machst mir Spaß“, gluckste Heini. „Das geht so schnell vorbei, das merkst du gar nicht. Ganz schnell bist du abgeschrieben und musst dir die kleinste Aufmerksamkeit mit Geld erkaufen. Und auch dann…“ – „Sie haben schlechte Erfahrungen gemacht?“, fragte Leonhard und schnitt jetzt die Nackenhaare kurz und gerade.

Julius war aufgestanden und zur Tür gegangen. Er schaute hinaus auf die Straße und Heini fuhr fort: „Letzten Samstag kamen sie mal wieder zu Besuch, die beiden Racker. War nicht meine Idee, und vor allem nicht ihre. Das hatten Großmutter und Mutter miteinander ausgemacht. Waren keine zwei Sekunden da, wollten gleich fernsehen. Irgendeinen Schrott. Miriam hatte extra eine DVD mit einem Trickfilm gekauft, aber der war ja gleich nicht gut genug. Haben dann in Nullkommanichts meine Bonbonvorräte niedergemacht und lagen dann rum wie faule Schweine.“ Er echauffierte sich und Leonhard musste ihn ständig in die richtige Position zurückbringen. „Leonhard hat es gut“, bemerkte Julius, „der hat diese Probleme nicht.“ Leonhard hielt inne und fragte erstaunt: „Wieso, wie meinen Sie das?“ Julius ruderte mit den Armen: „Naja, als Schwuler haben Sie diese Probleme halt nicht.“ Leonhard war fassungslos: „Aber ich bin nicht schwul!“ – „Aber“, warf Heini ein, „Sie sind doch Frisör!?“ Leonhard dachte einen Moment nach. „Na gut, ich wusste nicht, dass es so offensichtlich ist. Aber ich könnte Kinder adoptieren.“ – „Tun Sie es nicht“, flehte ihn Heini an, „genießen Sie das Leben.“

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