(296) Hallo. Ich bin Gott.

von Alain Fux

„Hallo. Ich bin Gott. Ihr könnt mich nicht sehen. Aus irgendeinem Grund kann man hier zwar hören, aber nicht sehen. Ihr seid jetzt alle tot. Obwohl ihr natürlich wusstet, dass es so kommen würde, ist es dennoch eine Überraschung. Die gute Nachricht ist: es gibt jetzt keine Gefühle mehr, es tut nichts weh. Ihr seid einfach nur tot.

Ihr fragt euch jetzt, bin ich im Himmel oder in der Hölle oder sonstwo. Ich würde sagen, ihr seid sonstwo, denn Himmel und Hölle gibt es natürlich nicht. Wenn ihr euer bisheriges Leben danach ausgerichtet hattet und jetzt enttäuscht seid, nicht im Himmel zu sein, dann tut es mir leid, aber es war nicht meine Idee. Es ist ein wenig so wie bei einer Flugreise: alle haben unterschiedliche Preise gezahlt, aber am Ende reisen alle in der gleichen Maschine.

Vielleicht sind welche unter euch, die erleichtert sind, weil sie die Hölle erwarteten. Ich glaube, das habt ihr eher hinter euch.

Die nächste Frage, die ihr euch bestimmt stellt ist: Was ist hier los, was kann ich machen? Ich weiß ja nicht, was ihr euch so vorgestellt habt, aber hier ist kein Ferienclub mit All-inclusive. Hier ist nichts, es passiert nichts und man kann auch nichts tun. Dafür habt ihr aber sehr viel Zeit. Das Leben war vorher. Wenn ihr es vorher nicht genossen habt, jetzt ist es zu spät. Ob ihr alleine seid? Ich fürchte ja, denn ihr hört mich zwar, könnt aber selbst nichts mitteilen, auch untereinander nicht. Ihr habt bestimmt noch mehr Fragen, aber ich weiß nicht mehr Antworten darauf. Mir geht es ja auch nicht viel besser als euch. Ehrlich gesagt, weiß ich ja nicht einmal, ob ihr mich hören könnt.

Also, macht das Beste daraus, ihr habt eh‘ keine Wahl. Und, wenn jemand doch einen Weg findet, wie man hier eine Partie Schach spielen könnte, ich wäre gerne dabei. Mäxchen wäre auch ok.“

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