(290) Guido saß auf dem Rücksitz des Autos…

von Alain Fux

Guido saß auf dem Rücksitz des Autos und lehnte den Kopf an eine zusammengerollte Decke, die auch etwas über sein Gesicht fiel. Es schien, als ob er schliefe. In Wirklichkeit beobachtete er die Haustür gegenüber.

Ein Taxi fuhr vor. Guido ballte automatisch eine Faust, als Inga aus dem Haus trat. In der Hand trug sie eine Sporttasche. Sie stieg in den Wagen und fuhr weg. Guido schaute an dem Haus hoch. Die Fenster, die zu ihrer Wohnung gehören mussten, waren dunkel. Er wartete noch ein wenig, dann stieg er aus. Am Klingelbrett drückte er gleichzeitig mehrere Knöpfe. Der Türöffner surrte, er war drinnen.

Sein Hobby war Lockpicking und das kam ihm jetzt gerade recht. Mit Spanner und Hook öffnete er mühelos die Wohnungstür.

Als er in die dunkle Wohnung eintrat, empfing ihn Ingas Duft. Es machte ihn wütend, dass er so hereingelegt worden war.

Zuerst durchsuchte er das Schlafzimmer. Schnell fand er die Kamera, die hinter einer Verkleidung versteckt war. Er entnahm die Speicherkarte. Anschließend suchte er weiter. Im Kleiderschrank entdeckte er ein Schmuckkästchen mit weiteren Speicherkarten. Daneben ein Laptop. Er klappte es auf und fand auf der Tastatur einen Zettel mit Passwörtern. Laptop, Speicherkarten und alles andere, das ihm wichtig erschien, stopfte er in den Rucksack, den er mitgebracht hatte. Zur Sicherheit ging er den Rest der Wohnung noch einmal systematisch durch. Im Küchenschrank hinter den Tassen fand er einen weißen Umschlag mit CDs. Auch diesen sackte er ein. Als er fertig war, überlegte er sich, ob er ein Versteck übersehen hatte. Aber es fiel ihm nichts ein. So verließ er die Wohnung.

Als er später zuhause seine Beute sichtete, fand er die Fotos mit ihm auf einer Speicherkarte, der Festplatte des Laptops und auf einer CD. Es wunderte ihn, dass es sonst keine kompromittierenden Fotos gab, nur Bilder von Inga mit Freunden oder Verwandten. Es schienen normale Urlaubs- und Familienbilder zu sein, ohne Erpressungspotenzial.

Zur Sicherheit zerstörte er alle Speichermedien mit einer Kneifzange, baute die Festplatte aus dem Laptop heraus und zerlegte sie ebenfalls in Einzelteile. Noch in der gleichen Nacht verteilte er die Einzelteile auf verschiedene Mülltonnen im Viertel. Er fühlte sich erleichtert.

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