(268) Bodard Peter setzte sich auf den Klappstuhl…

von Alain Fux

Bodard Peter setzte sich auf den Klappstuhl auf der anderen Straßenseite und betrachtete in allen Einzelheiten das Setup durch den Motivsucher.

Ein Haus mit weißgetünchter Bretterwand und rotem Dach. Davor schräg eingeparkt ein roter VW Golf mit Kennzeichen TS-P 263, die Heckklappe ganz offen. In dem Kofferraum Einkaufstüten aus Papier mit einem Baguette und einem Stangensellerie, die herausschauten. Auf der Hutablage rote Tischtennisschläger (Astron Red von TSP Yamato). Neben dem Wagen, mit dem Gesicht zur Straße, ein zehnjähriger Junge im dunkelblauen Kommunionsanzug mit weißen Handschuhen. Einen Handschuh hatte er angezogen, den anderen hielt er in der Hand.

Irgendetwas gefiel ihm nicht, er wusste nur nicht, was es war. Fabiano stellte sich neben ihn und hielt die Hand über das Mikrofonloch des Mobiltelefons. „Bodard, das ist Roman Friedrich für dich. Er fragt, wie die Fotoaufnahmen laufen.“ – „Jetzt nicht. Sag ihm, es läuft beschissen. Ständig will jemand was von mir. Nein, sag ihm, es läuft gut, aber ich brauche vollste Konzentration.“ Bodard scheuchte Fabiano mit einer Handbewegung weg.

„Elvira“, rief er. Elvira, frisch von der Kunsthochschule, kam zu ihm. „Das Hemd geht gar nicht. Ich hatte doch gesagt, dass ich einen Hemdkragen wollte, der völlig waagerecht Richtung Schultern zeigt.“ Er überquerte die Straße und zeigte ihr an dem Jungen, was er meinte. „Ich sehe, was du meinst“, antwortete Elvira. „Wir haben noch drei andere Hemden. Ich hol sie mal und dann können wir vergleichen.“ –  „Wenn das nicht passt, können wir für heute einpacken. So kann ich nicht arbeiten.“

Bevor Elvira wegging, fragte Donnie, der Junge: „Kann ich jetzt etwas trinken gehen?“ – „Nein“, antwortete Peter streng, „wir machen hier Kunst und dafür müssen wir verdammt nochmal alle Opfer bringen.“ Als er erkannte, dass Donnie dem Weinen nahe war, sagte er: „Na gut, hol dir eine Cola. Aber zieh die Handschuhe aus. Und klecker dich nicht voll, ich bring dich um.“ Peter setzte sich wieder auf den Klappstuhl. Es war eine beschissene Idee gewesen, seinen Sohn einzusetzen. Zu viele Kompromisse, die er eingehen musste. So viel Mühe kostete es, nur damit es wie ein Schnappschuss aussah. „Fabiano“, schrie er.

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