(263) Rosi stand in der Tür und schaute ins Wohnzimmer.

von Alain Fux

Rosi stand in der Tür und schaute ins Wohnzimmer. Ein Bild für die Götter, dachte sie. Wolf saß auf der Couch und Natascha auf seinem Schoß. Beide schauten ganz konzentriert auf den Fernsehschirm. Es lief ein Trickfilm mit dem kleinen Ferkel Rongipongi, das zusammen mit dem Bären Balduin unterwegs war.

Rosi holte ihre Digitalkamera und schoss ein Foto. Als Wolf und Natascha nach der Quelle des Blitzlichts schauten, hatten beide den gleichen erschrockenen Gesichtsausdruck. Rosi meinte nur: „Sah gerade so schön friedlich aus“, und kehrte wieder in die Küche zurück.

Nachher brachte Wolf Natascha ins Bett. Wie an den meisten Abenden las er ihr noch eine Gutenachtgeschichte vor, ebenfalls mit dem Ferkel Rongipongi, denn das war zur Zeit Nataschas Lieblingsfigur. Aber bevor Rongipongi den Satz sagen konnte, mit dem jede Geschichte endete, nämlich ‚Und morgen ist wieder ein ganz neuer Tag‘, war Natascha bereits eingeschlafen. Wolf zog die Decke etwas höher und hauchte ihr einen Kuss auf die Stirn.

Danach aß er mit Rosi zu Abend. Er erzählte ihr von den Tagesereignissen auf der Baustelle, auch von der Fastkatastrophe mit der Schaltafel, bei der er sich einen steifen Nacken geholt hatte. Nach dem Essen massierte sie ihm die Schultern und bedauerte ihn ein bisschen, das mochte er gern.

Dann saßen sie noch gemeinsam vor dem Fernseher. Wolf bastelte an einem Bett für das Puppenhaus, das er Natascha zum Geburtstag schenken wollte. Rosi meinte, ein Schweinestall für Rongipongi wäre wohl angebrachter, denn Natascha wünschte sich nichts lieber als ein Ferkel. Beide waren sich aber einig, dass ein Schwein ihnen auf keinen Fall ins Haus käme.

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