(262) Wolf Benz, der Polier, winkte dem Fahrer der Betonpumpe zu.

von Alain Fux

Wolf Benz, der Polier, winkte dem Fahrer der Betonpumpe zu. „Weiter zurück“, schrie er, „da passt ja noch ein Bus dazwischen.“ Er blickte hinüber zu den Maurern. „Schulz, jetzt mal zack, zack, hau den letzten Riegel in die Verschalung und dann fertig. Wir gießen jetzt.“

Er schaute zurück zu der Pumpe. „Stopp, du Vollidiot, hast du keine Augen im Kopf.“

Es war keine übliche Baustelle, denn das Haus, an dem sie bauten, hatte fast keine Außenwände. Sie waren gerade dabei, die letzte tragende Säule zu gießen, aber sogar die Verschalung war so dünn, dass man sie von der Seite kaum sah. Benz hatte den Eindruck, es nur mit Idioten zu tun zu haben. Ohne ihn wäre es das reinste Chaos.

„Alle Kinder rennen über die Wiese, außer Fritz, den trifft der Blitz! Schulz, bist du jetzt endlich fertig mit dem Getrödle?“ Schulz nickte, der Schweiß rann ihm unter dem Helm hervor.

„Jetzt hängt doch den verdammten Rüssel in die Verschalung, wir haben nicht mehr viel Zeit“, schrie Benz den Pumpenfahrer an, der eifrig dabei war, den Verteilungsmast auszuschwenken. Als er fertig war und Schulz, der auf die Verschalung geklettert war, den Daumen hochhielt, schrie Benz „Beton Marsch!“. Die Pumpe fing an, das Betongemisch über den Endschlauch auszuspucken. Alle Augen waren auf die Verschalung gerichtet.

„Viertel voll“, schrie Schulz, der einen Flaschenrüttler in die Betonmasse hielt, um Luftblasen zu verhindern. Plötzlich lief Benz auf die Schaltafel zu und warf sich mit voller Wucht dagegen. „Holz, holt Holz, die Tafel steht nicht fest. Beton Halt!“, schrie er und drückte mit dem Rücken gegen die Wand, stemmte sich mit den Beinen in den erdigen Untergrund. Zwei Arbeiter kamen mit Balken angerannt, die sie rechts und links von Benz an die Verschalung lehnten, dann das andere Ende in den Boden rammten und mit Vorschlaghämmern zwei Keile davor in den Boden trieben. Benz lief vor Anstrengung rot an im Gesicht. Als die Balken fest waren, prüfte er die Stabilität der Schaltafel. Sie hielt. Die Bauarbeiter und auch der Fahrer der Pumpe klatschten ihm Beifall.

Benz lachte, froh, den Einsturz der Verschalung verhindert zu haben. „Schulz!“, schrie er nach oben zu dem verdatterten Bauarbeiter, „der Riegel saß nicht fest. Wenn das nochmal vorkommt, bist du gefeuert, das ist eine Abmahnung! Du hast fünf Minuten Zeit, da ‘reinzusteigen und den Riegel zu fixieren!“

Advertisements