(261) Der Architekt Sven Ebert hatte seinen potenziellen Bauherren in eine ruhigere Ecke bugsiert.

von Alain Fux

Der Architekt Sven Ebert hatte seinen potenziellen Bauherren in eine ruhigere Ecke bugsiert. Party konnte man nachher machen, aber er wollte sein Konzept so lange erklären, wie Johannes Guberath noch nüchtern und aufnahmebereit war.

„Sie haben ein unglaubliches Grundstück oben auf den Klippen. Das ist wirklich einmalig und wir müssen daraus etwas Denkwürdiges machen. Das sehen Sie doch auch so, oder?“ Guberath stimmte zu, gab aber zu bedenken, dass es ihm vor allem darauf ankam, einen wirtschaftlichen Wert zu schaffen. „Aber genau das will ich auch. Sehen Sie: Denkwürdig heißt ja, man erinnert sich daran. Und das führt zu den höchsten Preissteigerungen. Es geht hier nicht um ein Mietwohnungsreihenhaus, sondern um einen Meilenstein von Wohnhaus. Das Johannes-Guberath-Haus, so wie man auch vom Frederick C. Robie House spricht, das Frank Lloyd Wright in Chicago gebaut hat. Etwas Wertiges und Bleibendes.“

Guberath gab ihm Recht, stellte aber in Frage, ob es wirklich sinnvoll sei, das geplante Wohnhaus zur Hälfte über den Klippenrand hinaus zu bauen und dann mit Streben abzustützen. Er wisse nicht, ob sich die Bewohner des Hauses darin wohl fühlen würden. Immerhin habe man den Eindruck, das Haus könne jeden Augenblick abstürzen. Das könne einen negativen Einfluss auf die Wertentwicklung haben.

„Herr Guberath, ich habe das alles mit den Geologen und den Statikern doppelt und dreifach überprüft: die Konstruktion ist völlig sicher. Sie werden sehen, in den Architekturmagazinen wird das Haus so oft abgebildet werden, dass Sie alleine dadurch einen enormen Wertzuwachs haben. Gratiswerbung, was will man mehr?“

Guberath schien zu zögern. Er gab zu bedenken, dass der Ruhm natürlich vor allem auf Ebert, den Architekten, zurückfallen würde und dass es aber er sei, der als Bauherr das gesamte Risiko zu tragen habe. „Herr Guberath, haben Sie morgen eine Stunde Zeit? Ich möchte Ihnen das Haus zeigen, das ich gerade baue. Auch hier gab es eine Komplikation, die das Bauvorhaben scheinbar unmöglich gemacht hat. Der Bauherr und ich haben das aber bestens gemeistert.“ – „Was war das Problem?“, fragte Guberath interessiert.

Ebert erklärte ihm, dass es sich um einen Bungalow mit extrem hohen Decken handelte, einer vollständig verglasten Fassade und verborgenen Pfeilern. Es wirke so, als ob die Decke, ja das ganze Dach über der Wohnfläche schwebe.

Advertisements