(254) Der tiefe Basston brachte seinen Magen zum Vibrieren.

von Alain Fux

Der tiefe Basston brachte seinen Magen zum Vibrieren. Hohe Töne drangen dazwischen wie Nadelstiche an seine Ohren. Dazu pulsierte das Licht im Staccato-Takt. Alles war wie in Nebel verhüllt. Er befand sich in einem riesigen Raum, so groß wie ein Flugzeughangar.

In der Tiefe machte er ein kleines gelbweißes Dreieck aus, ganz weit oben. Es bewegte sich auf und ab und schien näher zu kommen. Dann sah er, dass es eine spitze Mütze war, weiß mit einem verwirrenden Streifenmuster. Darunter ein weißes Gesicht, wie eine Maske. Das Gesicht schien hoch in der Halle zu schweben. Dann erkannte er den Körper der Figur, die weiter auf ihn zuschritt. Sie trug ein langes Kleid, das bis zum Boden reichte. Beim Schreiten beulte sich das Kleid vorn aus, allein die Knie mussten auf zwei Meter Höhe sein. Der Patient raffte sich auf und wich schwankend zurück vor dem Riesen, der unbeirrbar weiter auf ihn zukam.

X wandte sich um und fing an zu laufen. Er fand, dass die Halle hier niedriger wurde. Das gab ihm Hoffnung, irgendwann würde der Riese nicht mehr weiterkommen. Die Halle erschien ihm jetzt wie ein Trichter. Er schaute sich um, der Riese kam näher, wurde aber gleichzeitig kleiner.

Patient X lief weiter. Hinten war eine Tür, aber je länger er darauf zulief, desto weiter entfernt schien sie. An der Tür konnte er die aufgemalte Zahl 241 erkennen. Der Riese war jetzt ungefähr so groß wie er selbst und schien schneller zu werden. Mit letzter Kraft erreichte X die Tür, riss sie auf und warf sie hinter sich wieder zu.

Er war oben auf einer Wendeltreppe. Im Halbdunkel tastete er sich die Treppe hinab und sah unten ein rundes Zimmer. In der Mitte stand ein Frisörstuhl. Als er unten ankam und sich umblickte, war die Treppe fort, wie aufgelöst.

Plötzlich sprang ein Schatten wie aus dem Nichts vor ihm auf. X wich zurück und landete in dem Stuhl. Die Armlehnen schienen seine Arme zu ergreifen und festzuhalten. Er schaffte es nicht, sich loszureißen.

Der Schatten näherte sich, es war ein Mann in einem weißen Kittel. In der Hand hielt er ein Rasiermesser. Das Rasiermesser näherte sich seinem Gesicht. X. konnte nicht anders als die Klinge anzustarren. An der Klinge liefen jetzt Blutstropfen hinunter und tropften auf ihn. Immer mehr Blut rann heraus. Daneben die Fratze des Mannes, der ihn anstierte. Die Staccato-Töne schwollen wieder an. Zitternd schloss er die Augen.

Advertisements