(249) Farley fluchte.

von Alain Fux

Farley fluchte. Es war ein kompletter Reinfall gewesen. Stolz hatte er Herrn X die Seitentür des Lieferwagens aufgeschoben und Lob erwartet.

Herr X fragte aber nur: „Wo ist der Kopf?“ Farley war perplex und erwiderte: „Der ist doch da oben drauf.“ Es stellte sich heraus, dass Herr X den richtigen Kopf wollte. Früher hatte dieser zwischen den Füßen von Bentham gelegen, aber nachdem er öfters zum Spaß von Studenten versteckt worden war, hatte man den Originalkopf sicher und separat verwahrt.

„Was soll ich mit dem Zeug?“ Herr X wurde wütend. „Ich hatte ihnen doch gesagt, dass Sie unbedingt darauf achten sollten, dass der Kopf dabei ist!“ – „Der ist ja auch dabei“, hatte Farley zurückgekeift. „Woher soll ich wissen, dass es zwei davon gibt?“ – „Sie sind ein Amateur“, hatte ihm Herr X vorgeworfen. „Rufen Sie mich nicht mehr an, die Nummer existiert nicht mehr.“ Dann war er in den Büschen verschwunden und Farley stand da vor der offenen Lieferwagentür mit einem Bentham in Dehnfolie dahinter. Es war alles vergeblich gewesen, für diese Ware gab es keinen Hehler.

Als der Tankstellenpächter um die Ecke bog, schmiss Farley die Schiebetür zu und fuhr wieder weg. Langsam sah man die ersten Sonnenstrahlen hinter dem Horizont hochkommen.

Er musste den Philosophen loswerden. Wenn die Polizei ihn erwischte, würde man es nicht als Dummejungenstreich abtun, dafür waren seine Vorstrafen zu eindeutig.

Während Farley überlegte, was er mit Bentham machen sollte, war er weiter nach Norden gefahren. Er gelangte in ein kleines verschlafenes Dorf mit einer Kirche, einem Gemeindeanger samt Teich und vielen verstreuten Villen. Er fuhr mit dem Lieferwagen nahe an die Kirche heran und blieb stehen. Er stieg aus und schaute sich um. Er konnte keine Menschenseele sehen.

Schnell öffnete er die Seitentür, befreite Bentham von seinen Gurten und ließ ihn auf dem Stuhl auf die Straße hinunter. Dann hievte er ihn hoch, trug ihn die kleine Treppe hoch und stellte ihn vor die Kirchentür, so als ob der Philosoph auf die Gläubigen wartete.

Farley hielt noch einmal inne. Es war weiterhin ruhig. Er schloss die Tür des Laderaums, setzte sich hinters Steuer und fuhr wieder zurück Richtung London.

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