(248) Es war für Farley überhaupt nicht schwierig gewesen…

von Alain Fux

Es war für Farley überhaupt nicht schwierig gewesen, an die Schlüssel zu gelangen. Nachdem er über Jennifer recherchiert hatte, wusste er schnell, wo er ansetzen musste. Das Notizbuch hatte er selbst vollgeschrieben mit Auszügen aus verschiedenen Artikeln, die er im Internet gefunden hatte. Jennifer bekam das präparierte Notizbuch quasi auf dem Präsentierteller serviert. Am Telefon hatte er sie komplett eingewickelt. Nachdem er mit ihr über ihr Idol Adam Smith geredet hatte, hätte sie ihm wahrscheinlich geholfen, die Kronjuwelen aus dem Tower zu stehlen.

Als Jennifer sich frisch machte, hatte er ihr die Schlüssel aus der Handtasche gezogen. Anschließend ging er selbst zur Toilette und machte Plastilinabdrücke von den Schlüsseln, die ihn interessierten. Danach war es ihm ein Leichtes, die Schlüssel wieder in ihre Handtasche gleiten zu lassen.

Am nächsten Tag hatte Farley die Schlüssel von einem Kumpel nachmachen lassen. In der Nacht darauf hatte er Jeremy Bentham gestohlen.

Was man mit einem Skelett anfangen sollte, das in einem mit Stroh ausgefüllten Kostüm steckte, war Farley schleierhaft. Aber es war ein bezahlter Auftrag, den er ausführte. Nur das war ihm wichtig.

„Bentham?“, hatte er Herrn X gefragt, als er den Auftrag empfing. Sein Gegenüber erzählte ihm, dass es um die sterblichen Überreste eines Philosophen ging, der 1842 gestorben war. In seinem Testament hatte Bentham verfügt, dass sein bekleidetes Skelett in einem Schaukasten ausgestellt werden sollte. Seitdem saß er im University College auf einem Stuhl.

Nachdem Farley den Schaukasten mit seiner Schlüsselkopie geöffnet hatte, umwickelte er die ganze Figur samt Stuhl mit Dehnfolie und zurrte alles fest. Besonders die Nachbildung des Kopfes aus Wachs war sehr empfindlich. Schließlich transportierte er den Kokon hinaus zu seinem Lieferwagen. Mit Gurten fixierte er den Stuhl im Laderaum. Er war zufrieden mit der Aktion.

Herr X, dessen Namen Farley nicht kannte, den er aber als einen exzentrischen Millionär einschätzte, würde von seiner Professionalität beeindruckt sein. Jennifer tat ihm etwas leid, sie war mit großer Erwartung zu dem Treffen gekommen. Es war sogar wirklich lustig gewesen mit ihr. Aber Job war Job.

Er nahm sein Mobiltelefon und wählte die Nummer von Herrn X. Sie verabredeten sich zum Morgengrauen auf einem Parkplatz hinter der Shell Tankstelle in St. Albans.

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