(243) Nach dem Essen erledigten sie gemeinsam den Abwasch…

von Alain Fux

Nach dem Essen erledigten sie gemeinsam den Abwasch, Octavio spülte und Oscar trocknete ab. Als sie fertig waren, schlug Octavio einen Film im Fernsehen vor. „Von 1935, mit James Cagney. Er spielt einen FBI-Agenten. Fast wie ein Dokumentarfilm.“ Das interessierte auch Oscar.

Sie setzten sich vor den Fernseher, Octavio in seinen Ohrensessel und Oscar lag auf der Couch.

„Der Film wurde zusammen mit dem FBI produziert, damit alles wahrheitsgemäß aussieht“, erklärte Octavio, aber Oscar war schon beim Vorspann völlig vertieft gewesen. Schweigend schauten sie sich den Film an. Nach dem Abspann machte Octavio den Fernseher aus und fragte: „Na, wie fandest du ihn?“ – „James Cagney war sehr gut“, bewertete Oscar, „die Geschichte war spannend, aber irgendwie war es wie eine Werbung für das FBI.“ – „Interessant, dass du das sagst, Oscar. Der Film wurde auch wirklich vom FBI als Werbung benutzt und die Bundespolizei hat auch bei der Produktion mitgearbeitet. Damals ist einem das vielleicht nicht so aufgefallen.“ Octavio blickte in Oscars wache Augen. „Und mit James Cagney hast du auch Recht. Ich habe noch nie einen Film mit ihm gesehen, in dem er nicht ausgezeichnet war. Was für ein wunderbarer Schauspieler.“ – „Mein Lieblingsfilm mit ihm ist ‚Sprung in den Tod‘. Den haben wir vor ein paar Wochen gesehen. Als er auf dem Öltank steht und schreit: ‚Ich hab’s geschafft, Ma! Jetzt bin ich ganz oben!‘ und dann fliegt der Tank in die Luft.“

Oscar dachte nach und fuhr dann fort: „Großvater, meinst du, Brick Davis hätte die Mörder meiner Eltern gefunden?“, fragte er traurig. „Ich weiß es nicht, Oscar. Vielleicht hätte er es geschafft. Er hätte auf jeden Fall mehr getan als die Polizei.“

Octavio setzte sich neben Oscar auf die Couch und legte seinen Arm um ihn. „Aber James Cagney ist auch schon tot“, bedauerte Oscar, jetzt wieder sachlich. „Ja“, bestätigte Octavio, „seit 1986.“

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