(242) Octavio stand am Herd und wärmte die Feijoada vom Vortag auf.

von Alain Fux

Octavio stand am Herd und wärmte die Feijoada vom Vortag auf. Oscar saß mit seinem Lexikon am Küchentisch und las sehr konzentriert darin. Es war ein schöner Tag gewesen und Octavio hoffte, dass es noch lange so weitergehen würde. Eigentlich fühlte er sich gesund, aber in seinem Alter konnte es sehr schnell gehen. Was würde dann aus Oscar werden? Er rührte kurz in den Bohnen und setzte den Topf mit dem Reis auf.

„Großvater?“, fragte Oscar, „weißt du, welcher der höchste Berg in Rio ist?“ – „Das ist nicht der Corcovado, wo wir heute waren, sondern der Pico da Tijuca, etwas weiter entfernt.“ – „Da müssen wir auch mal hin. 1.022 Meter hoch. Und welcher ist der höchste Berg von ganz Brasilien?“ – „Das ist der Pico da Neblina, fast dreitausend Meter.“ – „2.994 Meter. Und Südamerikas?“ Octavio stellte die Gasflamme niedriger und rührte noch einmal um. „Das ist der Aconcagua in den Anden“ – „6.962 Meter. Und der Welt?“ – „Der Mount Everest in Nepal.“ – „Genau, mit 8.848 Metern.“

Octavio setzte sich zu Oscar an den Tisch. „Aber das ist nur der höchste Berg auf unserer Erde. Die Welt würde ja alle Planeten in diesem Sonnensystem und in anderen Galaxien umfassen. Da muss es noch viel mehr geben.“ – „Wissen wir das nicht, Großvater?“ – „Nein, wir kennen nur einen kleinen Teil. Weißt du, wo der höchste Berg in unserem Sonnensystem ist?“ Oscar schaute gespannt und schüttelte den Kopf. „Das ist der Olympus Mons auf dem Mars. Er ist drei Mal höher als der Mount Everest, über 26 Kilometer hoch. Und er ist sehr breit. Wenn hier in Rio die Spitze wäre, dann würde der Berg schon in São Paulo beginnen.“ Oscar hörte ihm wie gebannt zu.

Octavio erhob sich wieder. „Das Essen ist gleich fertig. Deckst du uns den Tisch?“ – „Ja, Großvater“, Oscar legte sein Lexikon zur Seite und trat an den Küchenschrank, um die Teller zu holen.

Als der Großvater die Bohnen auf seinen Teller häufte, fand Oscar, dass sie aussahen wie der Olympus Mons.

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