(241) Dora hatte mehr Phantasie für die Verwendung des gestohlenen Geldes.

von Alain Fux

Dora hatte mehr Phantasie für die Verwendung des gestohlenen Geldes. Sie brachte Willi in einem renommierten Internat unter und begann, die Welt zu bereisen. Orte, die sie bisher nur aus Zeitschriften kannte, waren jetzt für sie erreichbar.

Eine ihrer Reisen führte sie nach Rio de Janeiro. Sie besuchte die Strände von Copacabana und Ipanema. An einem Tag fuhr sie mit der Seilbahn zum Zuckerhut und am nächsten mit der Zahnradbahn zur Erlöserstatue auf dem Corcovado.

Während des ersten Teils der Fahrt genoss Dora den Ausblick auf die Stadt. Als die Bahn in einen Wald hineinfuhr, kam sie mit einem Mann ins Gespräch, der ihr bereits auf dem Bahnsteig aufgefallen war. Er war über fünfzig, etwas korpulent, aber sehr freundlich. Sein Name war Bernardino. Er erkundigte sich, woher Dora komme, wie lange sie schon in Rio sei und wie lange sie bleiben würde. Er bot ihr an, sie oben ein wenig herumzuführen und ihr etwas über Rio und seine Viertel zu erzählen. Gern nahm sie das Angebot an.

Als sie oben aus dem Zug stiegen, war sie überwältigt von der riesigen Christus-Statue, die mit ausgebreiteten Armen vor ihr aufragte. Mit Bernardino ging sie um die Statue herum nach vorn und sie schauten hinunter auf die Stadt. Bernardino machte Fotos von Dora, ein Mal vor der Statue und ein Mal vor der Stadt. Von einem alten Mann, der mit seinem Enkel unterwegs war, ließen sie sich gemeinsam fotografieren, mit der Stadt im Hintergrund.

Bernardino meinte, er wolle ihr noch seinen Lieblingsplatz zeigen. Sie gingen weiter, etwas hinab in den Wald, zu einer dicht bewachsenen Stelle nahe am Abgrund. Dort verlor Bernardino seine Freundlichkeit, drückte sie zu Boden, warf sich auf sie und vergewaltigte sie. Dora war so geschockt, dass sie nicht einmal schreien konnte.

Als er fertig war, stand Bernardino auf. Dora drehte sich, immer noch stumm, zur Seite. Er nahm ihre Handtasche und holte die Fotokamera heraus. Er sah noch einmal zu ihr hinunter, warf die Handtasche neben sie und lief durch die Büsche davon.

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