(239) „Das geht doch nicht“, entrüstete sich Beate…

von Alain Fux

„Das geht doch nicht“, entrüstete sich Beate, „ich kann doch nicht bestimmen, was ich fühlen soll.“ Arne wiegte den Kopf hin und her. „Naja, wenn du dich darauf konzentrierst, müsste es gehen, aber es braucht natürlich viel Selbstdisziplin.“

Sie legten die Strohmatten aus und darauf die Badetücher. Beate öffnete ihre Kühltasche und zog zwei Cornettos heraus. „Ich glaube, die sind noch nicht verboten“, meinte sie. Arne bestätigte: „Nee, die waren nicht auf der Liste. Aber ich glaube, wir müssen das Papier im Anschluss auch aufessen, sonst gibt es Probleme.“

Beate schleckte am Eis und schaute zum Horizont. „Irgendwie erinnert Heunemann mich an meine Großtante Anni. Sie besuchte uns nicht so oft, weil mein Vater sie nicht mochte. Sie war die Tante meiner Mutter. Aber wenn sie kam, machte sie alle kirre. Sie hat jedes Mal einen Riesentheater verursacht, mal war dieses nicht recht, dann jenes nicht. Sie musste alles bestimmen und alle waren ständig auf Trab wegen ihr. Und dann verkündete sie zwischendurch scheinheilig: ‚Ich will euch ja gar keine Umstände machen. Ich brauche gar nichts. Lasst es uns doch einfach gemütlich machen.'“ Beate ahmte ihre krächzende Stimme nach. „Und dann im nächsten Augenblick hieß es dann: ‚Kann ich noch eine Tasse Kaffee haben? Habt ihr noch ein Kissen für mich?‘ So ging das die ganze Zeit. Was meinen Vater besonders genervt hat, war, dass sie ständig meine Mutter bemitleidete, wegen der vielen Arbeit im Haus. Aber wenn sie da war, hat sie nie auch nur einen Handschlag getan.“

Beate lachte über ihre eigene Erinnerung. „Es ist ja ein wenig eklig beim Eisessen, aber die Geschichte ist wirklich zu komisch. Als Tante Anni gestorben war, sind alle über ihr Haus hergefallen. Besonders ihr Sohn Benno, mein Onkel.

Tante Anni war ihr ganzes Leben sehr geizig gewesen. Deshalb hegten alle die Erwartung, dass sie einen Schatz im Haus versteckt hielt. Die Verwandtschaft stellte alles auf den Kopf. Aber das einzige Bemerkenswerte, das sie fanden, war eine Zuckerdose in der Küche, in der Tante Anni die aus Zuckerdragées heraus gelutschten Mandeln aufbewahrte. Sie verwendete die Kerne für Mandelplätzchen, die sie öfters buk. Wenn man Tante Anni besuchte, gab es nur selbstgebackene Mandelplätzchen. Sie haben nicht gut geschmeckt, aber irgendwann hat jeder zugegriffen. Die Dose mit den abgelutschten Mandelkernen war für alle eine grässliche Entdeckung. Aber einen Schatz hat man nie gefunden.“

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