(238) Wann soll die Expedition denn losgehen?

von Alain Fux

„Wann soll die Expedition denn losgehen?“, erkundigte sich Beate. „Bald“, antwortete Arne unbestimmt. „Freust du dich darauf?“, forschte sie nach. „Weiß nicht“, meinte er. „Also ich könnte das ja nicht. Diese Geduld, wochen- und monatelang unterwegs zu sein… Fühlst du dich manchmal alleine?“ Er dachte nach. „Nein… Aber komm doch mit.“ – „Nein, das dürfte ich nicht.“ Etwas später: „Wirst du denn nachts im eigenen Bett schlafen?“

„Nein“, er blieb stehen und sah sie mit großen Augen an, „das würde das Konzept der Expedition verletzen. Es muss ein Zimmer nach dem anderen erforscht werden.“

Mittlerweile waren sie am Strandzugang angekommen. Ein hoher Pfosten aus Aluminium war davor aufgestellt worden und daran waren jede Menge Verbotszeichen angebracht. Daneben lehnte Herr Heunemann und grinste unter seinem Dschingis-Khan Schnurrbart.

„Herr Heunemann, was haben Sie sich wieder ausgedacht?“, empörte sich Beate. „Ausgedacht, gar nichts. Das sind alles ganz normale Regeln, die jeder einhalten muss. Nur so können sich alle wohlfühlen.“ – „Was ist das?“, Beate deutete auf ein Zeichen.“ – „Singen Verboten“, antwortete Herr Heunemann. „Viele können es einfach nicht“, fügte er erklärend hinzu, „und es tut weh beim Zuhören.“

„Und das hier?“ – „Kein Ballspielen.“

Weiter gab es noch ein Verbot von Schwimmflossen („Kann man drüber stolpern“), ein Verbot von Sandburgen („Behindern die Sicht, wenn man liegt“), ein Verbot von übermäßiger Körperbehaarung („Kann feuergefährlich sein“) und ein Verbot von Lupen (siehe übermäßige Körperbehaarung).

„Aber Herr Heunemann“, warf Beate ein, „vieles davon sind doch genau die Sachen, wegen denen man überhaupt an den Strand geht. Und das soll jetzt alles verboten werden?“ – „Es ist alles verboten. Und es sind Dinge, die nur eine Minderheit praktiziert, die Mehrheit aber stört. Deshalb wird künftig jeder an diesem Strand glücklich werden.“

Beate schüttelte traurig den Kopf: „Nein, genau das Gegenteil wird geschehen. Keiner wird mehr sein Glück hier finden, sondern nur das, was am wenigsten stört. Man kann hier nur noch liegen, keinen Laut von sich geben und am Ende des Tages nach Hause gehen. Das war es dann.“

Heunemann strich sich über seinen Schnurrbart. „Dann verbiete ich es einfach, an diesem Strand unglücklich zu sein“, sprach er, „Problem gelöst.“

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