(237) Arne betrachtete die Karte sehr eingehend.

von Alain Fux

Arne betrachtete die Karte sehr eingehend. Immer wieder fuhr sein rechter Zeigefinger die geplante Route nach. Auf der ersten Seite seines Expeditionstagebuchs hatte er die voraussichtliche Dauer der einzelnen Etappen festgehalten. Arne hatte intensiv mit sich gerungen, dann aber doch die einfachere Variante gewählt und an wesentlichen strategischen Stellen Proviantlager eingeplant.

Im Geiste überprüfte er alle Annahmen und stellte gleichzeitig die Liste mit den notwendigen Vorräten zusammen.

Lange Zeit war Arne sich nicht sicher gewesen, welche Richtung er nehmen würde: Von oben nach unten oder von unten nach oben. Da es zwischen den Ebenen nur eine Verbindung gab, waren nur diese beiden Richtungen für die Expedition praktikabel. Er hatte sich schließlich entschlossen, von unten nach oben vorzugehen, es schien ihm einfach natürlicher. Und dann jeweils im Uhrzeigersinn.

Er würde deshalb im Heizungskeller anfangen. Allein für diesen Raum hatte er sechs Tage veranschlagt. Ins Erdgeschoss würde er nach fünf Wochen hochsteigen. In der zwölften Woche rechnete er damit, im ersten Stockwerk anzukommen. Der letzte Aufstieg unter das Dach in der siebzehnten Woche und er erwartete ein Ende der Expedition durch das ganze Haus in weniger als zwanzig Wochen.

Auf dem Weg dorthin wollte er das Haus vollständig dokumentieren durch Zeichnen, Kartieren und Fotografieren. Das Auswerten aller Proben und Unterlagen würde Monate, wenn nicht Jahre in Anspruch nehmen. Die Ergebnisse plante er in einem Buch zu veröffentlichen. Es sollte den Titel ‚Die Reise durch mein Haus‘ tragen.

Es klingelte an der Haustür. Es war Beate, seine Nachbarin. Sie fragte ihn, ob er Lust habe, mit ihr an den Strand zu gehen. Arne war unschlüssig. „Bist du immer noch daran, die Expedition durch das Haus zu planen?“ Er nickte. „Das hat Zeit, komm doch mit mir an den Strand. Ich spendiere auch ein Eis.“ – „OK“, antwortete Arne und setzte seinen Strohhut auf.

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