(234) Hi. Ich bin Uchida Hikoma aus Japan.

von Alain Fux

„Hi. Ich bin Uchida Hikoma aus Japan. Ich liebe Rodeo. Ich möchte Rodeo nach Japan bringen.“ Der Cowboy, Clyde Bell, drehte sich zu ihm um und musterte ihn von oben bis unten. Dann schritt er langsam ein Mal um Hikoma herum, um ihn noch eingehender zu betrachten. Dann stellte sich Bell wieder an die Bar und trank einen Schluck aus seinem Bierglas.

Hikoma suchte den Augenkontakt mit dem Barmann, hob eine Hand mit zwei ausgetreckten Fingern und zeigte mit der anderen auf das Bierglas von Clyde Bell.

„Bullenreiten?“, fragte Hikoma. Bell antwortete nicht. Hikoma fing an, von seinem Traum zu erzählen, den Rodeo nach Japan zu bringen und dass er dafür ein ganzes Team amerikanischer Rodeo-Cowboys einstellen wolle.

Bell antwortete immer noch nicht, allerdings hätte Hikoma an den mahlenden Bewegungen von Bells Gesichtsmuskulatur erkennen können, dass er einen Effekt auf Bell hatte, allerdings nicht den gewünschten.

Clyde Bell war in seiner Jugend zwar ein sehr begabter Nachwuchsreiter gewesen, aber er hatte Probleme mit den Showelementen. Zum Bespiel hasste er die Rodeo-Clowns. Insgesamt mochte er die Pro Rodeo-Vereinigung nicht und eigentlich mochte er auch das Publikum nicht. Für ihn bestand Rodeo in seiner pursten Form nur aus einem Mann und einem Stier. Bell war mit seiner engen Auslegung stets angeeckt und schließlich hatte man ihm die Lizenz entzogen. Tragisch war, dass Bell sich aber kein Leben außerhalb des Rodeos mehr vorstellen konnte und mittlerweile sogar als Rodeo-Clown arbeitete, in der Hoffnung wieder eine Lizenz zu erlangen. Auf der Selbstrespektskala war er am untersten Ende angekommen. Sein Aggressionspotenzial hatte sich aber noch nicht daran angepasst.

Was er von Hikoma hörte, brachte ihn auf. Der ständige Redefluss des Japaners und die Tatsache, dass Rodeo für Clyde Bell nichts in Japan verloren hatte, führten dazu, dass bei Bell eine Sicherung durchbrannte.

Abrupt wandte er sich Hikoma zu, holte mit der Rechten aus und streckte Hikoma mit einem Faustschlag auf die Kinnspitze nieder. In der Bar wurde es ganz still.

Advertisements