(233) Zu allen, die er traf, sagte er den gleichen Spruch: Hi. Ich bin Uchida Hikoma aus Japan.

von Alain Fux

Zu allen, die er traf, sagte er den gleichen Spruch: „Hi. Ich bin Uchida Hikoma aus Japan. Ich liebe Rodeo. Ich möchte Rodeo nach Japan bringen.“ An jedem Tag trug er wechselnde, aber vollständige Westernoutfits, vom Stetson bis zu den Silbersporen. Natürlich kaufte er alles immer wieder neu, denn das war für ihn eine Frage der Ehre. Seinen Gesprächspartnern signalisierte es aber, dass er ein Neuling war.

Die Reaktion der Leute war unterschiedlich. Die meisten waren einverstanden, sich mit ihm fotografieren zu lassen (seine Kamera war immer dabei). Manche fragten ihn, welches seine Lieblingsdisziplin sei. („Bullenreiten finde ich am Spannendsten. Wir haben auch sehr starke Stiere in Japan.“) Manche fragten ihn, wer in seinen Augen der beste Rodeo-Cowboy sei. („Tuff Hedeman ist der Beste, den ich gesehen habe. Aber es gibt vielleicht noch Bessere. Ich möchte sie nach Japan holen.“)

Fast alle fanden ihn sympathisch, nahmen ihn aber nicht ganz ernst. Rodeo hatte für sie nichts mit Japan zu tun. Hikoma war bereits seit drei Jahren in den USA unterwegs. Immer von Mai bis Juli reiste er ein und schaute sich einen der regionalen Circuits an. Im ersten Jahr war es Texas gewesen, dann der Turquoise Circuit (New Mexico und Arizona) und jetzt der Wilderness Circuit (Nevada, Vermont und Süd-Idaho).

Jedes Jahr hatte er sich natürlich neue Klamotten zugelegt, aus Respekt war er es dem Sport schuldig. Jedes Jahr war sein Wunsch größer geworden, mit einem Team von amerikanischen Rodeo-Cowboys eine Profi-Tour in Japan auf die Beine zu stellen. Das Geld dazu stand bereit, denn Hikoma hatte es im Immobiliengeschäft weit gebracht. Seine Leidenschaft gehörte aber dem Rodeo, seit er im japanischen Kabelfernsehen den Film „8 Seconds to Glory“ gesehen hatte.

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