(230) Hi, ich bin Gilly Shiner.

von Alain Fux

„Hi, ich bin Gilly Shiner. Meine Hobbys sind alles was man draußen machen kann, zum Beispiel Tontaubenschießen oder Reiten. Ich liebe mein Pferd. Im Winter nähe ich gerne Quilts mit meiner Mutter. Und natürlich interessiere ich mich für Rodeo, besonders wegen der tollen Siege, aber auch wegen der fürchterlichen Niederlagen. Nichts kann dramatischer sein als Rodeo.“

Ein Mann im Western-Kostüm unterbrach sie: „Sehr gut, Gilly. Bring das Rodeo früher, das will die Jury hören. Zweite Frage: „Warum willst du Miss Rodeo werden?“

Gilly stellte sich in Position, etwas seitlich, die Hand in die Hüfte, ein Bein etwas durch den langen Schlitz des cowboystiefelhohen Jeansrocks vorangestellt.

„Als ich jung war, habe ich viel Zeit mit meinem Großvater verbracht. Er hat mir das Reiten beigebracht und mir die Liebe zu unserem Land und zum Rodeo ans Herz gelegt. Aus diesen Erfahrungen heraus wäre ich, so glaube ich es, eine sehr gute Botschafterin des Rodeos. Rodeo ist ein Ausdruck von uns selbst und von unserem Lebensstil. Als Miss Rodeo wäre ich ein Symbol für diesen Lebensstil, und das ist eine sehr verantwortungsvolle Rolle. Wenn ich zur Miss Rodeo gewählt werde, dann werde ich dieses Symbol mit Würde und Geduld darstellen. Das alles kenne ich von meinem Großvater, er war Cowboy auf der kleinen Ranch, auf der ich aufgewachsen bin. Und es tut mir so leid, dass mein Großvater heute nicht dabei sein kann, denn vor sechs Monaten hat ihn der Blitz draußen auf der Range getroffen, als er gerade dabei war, das Vieh zu beruhigen und eine Stampede zu vermeiden. Er wäre so stolz darauf, mich hier zu sehen.“

„Perfekt, Gilly. Vielleicht zum Schluss den Finger bis fast ans Auge, als ob du eine Träne wegwischst. Aber nicht das Makeup verwischen.“ Gilly versuchte es. „Ja, du bist ein Naturtalent. Mach mich stolz heute Abend. Und du darfst mich nicht anders behandeln als die anderen Juroren, ok?“

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