(226) Der Holzsteg am Fluss war mit Blumen und Fähnchen geschmückt.

von Alain Fux

Der Holzsteg am Fluss war mit Blumen und Fähnchen geschmückt. Von der kleinen Kapelle, die zwischen den verstreuten Wohn- und Wirtschaftshäusern lag, zog eine Prozession zum Fluss hinunter. Johanna und zwei weitere neue Mitglieder der Gemeinde gingen gleich hinter dem kleinen Jungen mit der Fahne. Johanna hielt Ricarda und Lucinda an der Hand. Hinter ihnen der Rat der Älteren, darunter auch Dismas Kollmann, der Gemeindevorsteher. Zum Schluss der Rest der Gemeinde, alle in feierlicher Stille.

Bei dem Urlaub im vergangenen Jahr war sie beeindruckt gewesen von dem Frieden und der inneren Harmonie, die von allen Gemeindemitgliedern ausging. Insbesondere das Charisma von Dismas, so nannten ihn alle, hatte Johanna nachhaltig beeindruckt.

Als sie an dem Steg angekommen waren, bildeten die Gemeindemitglieder am Ufer einen Halbkreis. Johanna und die beiden anderen Täuflinge, ein Mann und eine Frau, alle drei in weißen langen Gewändern, gingen mit zwei der Ältesten auf den Steg. Am Ende des Stegs war eine Leiter und über diese stiegen die fünf ins Wasser. Die Gemeinde am Ufer, unter ihnen Dismas, fing an zu beten.

Als Johanna im Wasser war, es reichte ihr bis zum Bauch, grüßte sie noch ihre Töchter, die zurück winkten.

Die Abläufe hatten sie vorher besprochen. Jeder der Täuflinge wurde von den Älteren an den Schultern gehalten und ein Mal nach hinten umgekippt, so dass der ganze Kopf kurz unter Wasser war. Dazu sagten sie: „Zur Ehre von Gott dem Vater taufen wir dich, auf dass du durch den Tod und die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus und durch die Kraft des Heiligen Geistes ein neues Leben beginnen kannst.“

Johanna kam nach Atem schnappend wieder hoch und hörte die Worte nur verschwommen durch das Wasser in ihren Ohren.

Nach jedem Taufgang applaudierte die ganze Gemeinde. Die Sonne stand mittlerweile recht tief und tauchte das Bild in goldenes Licht. Es war ein Augenblick der Freude und Johanna hatte das Gefühl, endlich Zuhause angekommen zu sein.

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