(225) Frau Zeller kam zu Gramlich ins Büro…

von Alain Fux

Frau Zeller kam zu Gramlich ins Büro und legte ein Blatt Papier auf seinen Schreibtisch. „Es ist ein Fax von Ihrer Frau. Ich“, sie räusperte sich, „habe es nicht gelesen.“ Dann ging sie hinaus und schloss die Tür. Gramlich nahm das handgeschriebene Blatt Papier und setzte die Lesebrille auf. ‚Friedrich, wenn Du diese Zeilen liest, bin ich weit weg, zusammen mit den Zwillingen. Ich habe Gott gefunden und möchte ihm mein Leben widmen. Ich kann mir vorstellen, dass Dich das erstaunen wird. Aber ich habe mich in den Jahren unserer Ehe weiter entwickelt, mehr, als Du es gemerkt hast.

Kannst Du Dich an den letzten Sommerurlaub erinnern? Wahrscheinlich nicht, denn Du konntest uns ja nicht begleiten, wie so oft. Die Vorsehung hatte die Mädels und mich zu einem Sommercamp geführt und dort habe ich großartige Menschen getroffen. Sie haben mir geholfen, Gott näher zu kommen. Ich möchte, dass Ricarda und Lucinda in einem gesunden Umfeld aufwachsen, fernab der Stadt mit ihren schädlichen Einflüssen. Leider auch fernab von Dir, denn hinter Deiner Fassade regiert der Leibhaftige. Alles, was Dich motiviert, ist die Gier.

‚Ihr Silber und Gold kann sie nicht retten am Tag des Zornes des Herrn. Sie werden damit ihre Gier nicht sättigen und ihren Bauch nicht füllen; denn all das war für sie der Anlass, in Sünde zu fallen.‘

Auch Du, mein lieber Friedrich, solltest über Dein Leben nachdenken und wie Du ein besserer Mensch vor dem Herren werden kannst. Bitte suche nicht nach uns. Und sei unbesorgt, Dein Geld und Dein Besitz interessieren uns nicht. Aber sollten sich unsere Wege irgendwann einmal kreuzen, dann wisse: ‚Und wenn er sich sieben Mal am Tag gegen Dich versündigt und sieben Mal wieder zu Dir kommt und sagt: ‚Ich will mich ändern!‘, so sollst Du ihm vergeben.‘ Und wenn er nicht mehr zu Dir kommt und dann für immer schweigt, so werde ich ihm auch dann vergeben.

In tiefer christlicher Liebe, Deine Johanna.‘

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