(224) Eckart Momsen war gerade wieder in Gedanken…

von Alain Fux

Eckart Momsen war gerade wieder in Gedanken an die vergangene Nacht versunken, als es an der Tür klopfte. Die Tür öffnete sich und Friedrich Gramlich, sein Chef, trat ein. Der Vertriebsleiter war erstaunt, denn sein Chef besuchte ihn sonst nie. Er erhob sich und streckte die Hand aus. Gramlich wehrte ab und sagte: „Bleiben Sie sitzen, Herr Momsen, wir sollten nicht so förmlich sein.“

Momsen setzte sich wieder hin und verzog das Gesicht, als ihm der vergessene Hieb wieder ins Gedächtnis gerufen wurde. „Alles klar?“, fragte Gramlich. Sein Gegenüber nickte: „Was kann ich für Sie tun?“

Gramlich setzte sich ihm gegenüber und tat so, als würde er die Wände mit den aufgehängten Flipchart-Seiten studieren. „Was denken Sie sich eigentlich dabei, wenn Sie Mitarbeiter wie Frau Lutze so zusammenstauchen?“ Momsen hatte nicht mit dieser Frage gerechnet. „Wie meinen Sie das?“

„Schauen Sie, wir wollen hier unseren Mitarbeitern ein Zuhause bieten. Sie sollen sich wohl fühlen, denn wir wollen sie behalten. Die guten natürlich nur. Frau Lutze ist in meinen Augen eine gute Mitarbeiterin. Sehen Sie das auch so? Wir machen natürlich alle mal Fehler, oder?“ – „Natürlich, ja, das stimmt, Herr Gramlich.“ – „Genau. Kann es sein, dass Sie, Herr Momsen, Probleme im Umgang mit weiblichen Mitarbeitern haben? Dass dies der Grund ist, warum Sie es Frauen gegenüber nicht schaffen, den angemessenen Respekt zu zeigen?“ Der Vertriebsleiter versuchte nachzudenken, allerdings hatte er nur das Bild von Lady Agatha vor Augen. „Wissen Sie, Momsen, einerseits mag ich Ihre raubeinige Art, wenn Sie es der Konkurrenz zeigen und wenn Sie wie eine Panzerbrigade unbeirrbar nach vorne stürmen. Bei unseren Mitarbeitern aber ist das fehl am Platz. Ich habe bereits mit dem Personalchef besprochen, Sie werden einen Kurs zum Abbau ihrer sexistischen Aggressionen absolvieren. Wir können es uns in dieser Zeit nicht leisten, schlecht mit einem Teil unserer Mitarbeiter umzugehen. Sind Sie mit meinem Vorschlag einverstanden?“ Momsen nickte. „Das freut mich.“

Gramlich stand auf und meinte, als er schon an der Tür stand, „und jetzt gehen Sie zu Frau Lutze und entschuldigen sich mal. Das wird Ihnen guttun. Bringen Sie ihr mal einen Strauß Blumen mit oder sowas ähnliches. Frauen mögen das.“

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