(223) Als Eckart Momsen sich auf dem Fahrersitz niederließ…

von Alain Fux

Als Eckart Momsen sich auf dem Fahrersitz niederließ, zuckte er zusammen. Er würde seiner Frau für ein paar Tage seinen Hintern verbergen müssen. Ungeschickt von Lady Agatha. Sonst war er zufrieden. Diese Übernachtungen waren besser als jede Therapie. Nirgendwo fühlte er sich so geborgen, als wenn er nackt und gefesselt in ihrer Truhe lag. Alle Optionen waren ihm genommen und er konnte zur Ruhe kommen. Außerdem fand er es erregend, einer ihm eigentlich unbekannten Frau ausgeliefert zu sein. Etwas Abenteuer, aber mit überschaubaren Risiken.

Der Vertriebsleiter (Europa, Mittlerer Osten und Afrika) für Zahnräder aller Art fuhr geradewegs ins Büro. Auf dem Bürostuhl schmerzte sein Hintern noch mehr und er dachte wieder an Lady Agatha. ‚Das ist Kundenbindung‘, dachte er für sich. Auf seinem Schreibtisch lagen die Vorbereitungen für seine Dienstreise ab dem kommenden Tag. Den Striemen würde er so gut verbergen können.

Er überprüfte die Reiseunterlagen. Er stutzte und verglich die Daten mit seinem Terminkalender. „Frau Lutze“, schrie er, „kommen Sie doch mal her.“ Frau Lutze, eine kleine Frau unbestimmten Alters kam herein. „Herr Momsen, Sie haben gerufen?“ – „Sie haben meine Flugreisen gebucht, richtig?“ Sie nickte. Er schaute sie scharf an. „Ja, die habe ich gestern gebucht, Herr Momsen.“ – „Dann verstehe ich nicht, warum ich am Donnerstag irgendwo wegfliegen soll, bevor ich dort überhaupt angekommen bin. Können Sie mir das erklären, Frau Lutze?“ Sie blickte ihn an, wie vom Donner gerührt. Er lehnte sich im Stuhl zurück, rutschte aber gleich wieder nach vorn, weil ihn der Hintern wieder schmerzte.

„Da muss ich wohl einen Fehler gemacht haben, Herr Momsen. Es tut mir leid. Ich werde sofort alles überprüfen und korrigieren.“ – „Frau Lutze, das passiert Ihnen ständig. Wo sind Sie mit den Gedanken? Warum kann ich mich nicht auf Sie verlassen?“ Sie trat näher an den Schreibtisch, nahm die Flugbestätigungen mit zitternden Händen. „Bitte nicht schreien, Herr Momsen.“ – „Ich schreie nicht, ich bin nur außer mir wegen dieser Inkompetenz!“ Frau Lutze fing an zu weinen. „Jetzt werden Sie nicht hysterisch, Frau Lutze. Ich kann das nicht mit ansehen.“

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