(215) Mit dem Mikrofon in der Hand stand Malek mitten auf der Bühne.

von Alain Fux

Mit dem Mikrofon in der Hand stand Malek mitten auf der Bühne. Sein Gesicht wurde noch einmal in riesengroß auf der Leinwand hinter ihm dupliziert.

„Was wir fühlen, hat den größten Einfluss auf unsere Entscheidungen. Und was wir entscheiden, bestimmt unsere Handlungen. Es ist also notwendig, dass wir unsere Gefühle so verändern, dass wir die richtigen Handlungen durchführen.“

Malek stellte sich vorn an den Bühnenrand. „Sie sagen jetzt: ‚Jay, wie aber können wir unsere Gefühle verändern?‘ Das ist eine gute Frage. Stellen Sie sich vor, Sie sind griesgrämig drauf.“ Er verzog das Gesicht, ließ seine Mundwinkel sinken, den Kopf zwischen die Schultern fallen und sah traurig aus. „Meinen Sie, dass Sie so die richtigen Entscheidungen treffen können?“

Vereinzelte Nein-Rufe kamen aus der Menge, die sich vor der Bühne drängte. Darunter befand sich auch Matthias, der aber kein Wort sagte.

„Natürlich nicht, wir würden traurige Entscheidungen treffen, die zu traurigen Handlungen führen. Am Ende wären wir…“ Er machte eine Kunstpause. Stimmen aus der Menge riefen: „…traurig!“ Matthias überlegte, ob es sich um Mitarbeiter von Malek handelte, die sich unter die Menge gemischt hatten.

„Genau, traurig. Wir lernen daraus: Wenn wir positive Ergebnisse erzielen wollen, müssen wir mit einer positiven Einstellung anfangen.“ Malek kreuzte zur anderen Seite der Bühne. „Das war sehr gut, oder? Wir sind hier in dieser Halle 347 völlig unterschiedliche Menschen. Alle mit einem anderen Hintergrund und anderen Zielen. Gemeinsam haben wir gerade eine äußerst wichtige Erkenntnis gewonnen: Unsere Einstellung bestimmt das Ergebnis unseres Handelns.“

Malek ließ die Erkenntnis einen Moment einsacken, aber nicht zu lange, denn er fühlte noch Widerstand im Publikum. „Ich spüre, dass noch einige unter uns sind, die nicht überzeugt sind. Das ist in Ordnung, dafür sind wir hier. Fragen Sie sich, was Sie mit Ihrem Leben anfangen wollen. Wollen Sie ein soso lala Leben, bei dem Sie jeden Tag genug zu essen haben und nicht an der erstbesten Infektionskrankheit sterben? Oder wollen Sie ein Leben führen, bei dem Sie selbst sagen können: ‚Wow, toll‘?“

Matthias hatte genug gehört. Er bahnte sich einen Weg durch das Publikum und verließ den Zuschauerraum.

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