(207) Auf ihrer Rundreise durch Jamaika war die Reisegruppe in Montego Bay angekommen.

von Alain Fux

Auf ihrer Rundreise durch Jamaika war die Reisegruppe in Montego Bay angekommen. Der Bus hatte sie in der Nähe des Crafts Market aussteigen lassen. Von den Verkäufern wurden die Touristen begeistert empfangen. Überall, wohin sie gingen, wurden sie von einem Knäuel Menschen umringt. Jeder der Standbesitzer wollte die Touristen zu seinen Waren ziehen.

Rudger Eichhoff war am Strand stehen geblieben, denn er mochte keine Menschenansammlungen. Er ging weiter zum Pier 1, einem Restaurant, und blickte auf das Meer hinaus. Ein Motorboot fuhr vorbei und dahinter zog es fünf Wasserskifahrer in Pyramidenformation. Die beiden obenstehenden Sportler hielten gemeinsam die jamaikanische Flagge hoch. Eichhoff warf seine Zigarette in die Gischt.

„Das hatten wir schon in den 90er-Jahren im Fernsehen, bei ‚Wetten, dass…‘. Aber da wurden die Schifahrer von einem Helikopter gezogen. Und es waren sechs Leute. Eine Pyramide braucht sechs Leute, nicht fünf. Drei unten, zwei darüber und noch einer ganz oben drauf. Mit fünf ist das höchstens eine Mastaba, aber keine Pyramide.“

Er sprach gern mit sich selbst. Gemächlich spazierte er wieder zurück in Richtung Crafts Market. An der Ecke des Busbahnhofs hatte sich eine Blaskapelle der Heilsarmee aufgestellt und spielte ein Marschlied. Eichhoff fluchte auf seine Mitreisenden, die immer noch nicht vom Markt zurück waren und stellte sich vor die Kapelle.

Plötzlich raste von der Hauptstraße ein Polizeiwagen herunter und hielt beim Busbahnhof. Zwei Polizisten stiegen aus und kamen von hinten auf die Kapelle zu. Von der Seite schauten sie sich die Bandmitglieder an. Sie nickten sich zu und der stämmigere der beiden Polizisten legte dem Sousaphon-Spieler seine Hand auf die Schulter.

Die Musik verstummte jäh. Der Trompeter, wohl das ranghöchste Mitglied der Kapelle, redete mit den Polizisten. Der Festgenommene versuchte, sich los zu winden, war aber durch das Instrument, das um seinen Körper geschlungen war, entscheidend behindert. Der Posaunist half schließlich, das Sousaphon abzunehmen und die Polizisten legten dem Salutisten die Handschellen an. Dann brachten sie ihn zum Streifenwagen. Die anderen Musiker standen zusammen und beratschlagten sich.

Als die Reisegruppe zurückkam, fragte der Reiseleiter Eichhoff nach dem Grund für den Aufruhr. „Sie haben einen Musiker der Heilsarmee verhaftet.“ – „Warum denn?“, wunderte sich der Reiseleiter. „Er hat falsch gespielt“, antwortete Eichhoff boshaft und stieg in den Bus.

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