(199) Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

von Alain Fux

„Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.“ – „Gott, der unser Herz erleuchtet, schenke dir wahre Erkenntnis deiner Sünden und Seiner Barmherzigkeit“, antwortete der Priester.

Korbel atmete schwer: „Ich habe gesündigt.“ – „Erzähle mir, mein Sohn.“

Korbel erzählte von dem Nachmittag vor zwei Tagen, als er den Bankräuber erschossen hatte. Er haderte mit sich, weil es möglich gewesen wäre, den Flüchtigen festzunehmen, ohne die Schusswaffe einzusetzen. Er hatte die Pistole aus dem Holster gezogen, weil er zuerst dachte, der Räuber sei bewaffnet. Als er zielte und abdrückte, war er aber sicher gewesen, dass der andere nicht bewaffnet war. Allerdings war Korbel physisch am Ende und er glaubte nicht, dass er eine Fortsetzung der Verfolgung durchgehalten hätte. Deshalb war der Schuss, so interpretierte er es, ein Ausdruck seiner Bequemlichkeit gewesen. Gleichzeitig auch ein Zeichen seiner Eitelkeit, denn wäre der Räuber entwischt, hätten ihn andere Polizisten wahrscheinlich schnell gefunden. Es war auch nicht anzunehmen, dass der Räuber eine Gefahr für andere darstellte.

Korbel hatte also den Schuss abgegeben, ohne dass er im Kern einen triftigen Grund dafür hatte. Die letzten beiden Tage hatte er sich mit diesen Gedanken beschäftigt und gemartert. Am Ende drängte es ihn nach einer Beichte.

Der Priester warf ein, dass es eine Entscheidung gewesen war, die er in Sekundenbruchteilen hatte treffen müssen und dass er auch Verantwortung für die Sicherheit anderer Menschen hatte. „Ich fühle mich schuldig“, widersprach Korbel, „er war jung, er hätte sich bessern können.“

„Was würdest du selbst als gerechte Buße empfinden?“, fragte der Priester nach einer Pause. „Mit benachteiligten Jugendlichen arbeiten. Versuchen, ihnen dieses Schicksal zu ersparen“, entgegnete Korbel. „Das ist eine gute Idee“, fand der Priester. „Ich glaube nicht, dass du Schuld hast, mein Sohn, aber es wird dich erleichtern“, fügte er hinzu.

„So spreche ich dich los von deinen Sünden im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Korbel bekreuzigte sich, stand auf und verließ den Beichtstuhl. Er fühlte sich gestärkt.

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