(191) Später saßen sie bei Wassili in der Wohnung.

von Alain Fux

Später saßen sie bei Wassili in der Wohnung. Diesmal gab es Wodka. „Da draußen kann man das nicht trinken, es gibt überall missgünstige Schnüffler und am Ende darf ich nicht mehr nach oben.“ Wassili goss ein und sie tranken.

„Weißt du“, fragte der Russe, „wer meine liebste Kapitalistin ist?“ Christian schüttelte den Kopf.

Wassili zog seine Brieftasche hervor, klappte sie auf und zog ein Foto heraus. Er legte es vor Christian auf den Tisch. Vom Blickwinkel her und angesichts der Grobkörnigkeit schien das Bild von einer Überwachungskamera aufgenommen zu sein. Es zeigte eine junge Frau mit dunklem, lockigem Haar, die eine Maschinenpistole an einem Schulterriemen trug.

„Weißt du, wer das ist?“, fragte Wassili und berührte mit dem Nagel seines Zeigefingers den Kopf der Frau. Christian schüttelte wieder den Kopf und blickte ihn fragend an. „Das ist Patty Hearst!“

Wassili erklärte, dass er die Bekehrung der Erzkapitalistin durch die im Grunde kommunistische ‚Symbionese Liberation Army‘ für die beste Lösung des Kapitalismus halte. „Ihr Großvater war Milliardär, einer der schlimmsten kapitalistischen Hetzer überhaupt. Sie wird entführt und schließt sich den Kommunisten an. Zusammen überfallen sie eine Bank und verteilen die Beute an die Armen von San Francisco. Das gefällt mir, Christian Michailowitsch. Das hat Potenzial.“

Christian warf ein: „Soweit ich weiß, hat sie danach behauptet, dass sie unter LSD-Einfluss stand und zu dem Bankraub gezwungen wurde. Bill Clinton hat sie in vollem Umfang rehabilitiert und jetzt arbeitet sie als Schauspielerin in Hollywood.“ Wassili machte eine wegwerfende Handbewegung. „Das ist alles Gehirnwäsche durch den CIA und geschah im Auftrag ihres Vaters. Sie hatte in ihrem Leben einen klaren Moment und das war, als sie die Bank ausgeraubt hat.“ Sie tranken noch ein Glas. „Wer ist denn deine Traumfrau, mein kapitalistischer Freund?“, forschte Wassili.

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