(188) Heute war der Schwimmtest angesagt.

von Alain Fux

Heute war der Schwimmtest angesagt. Leube und drei andere Kandidaten mussten in vollem Raumanzug mit Turnschuhen drei Längen im 25m-Schwimmbecken zurücklegen.

Leube zog die einzelnen Teile des Raumanzugs an und versuchte, sich auf die Aufgabe zu konzentrieren. Schwimmen war nicht seine Stärke und als man ihn bei der Bewerbung danach gefragt hatte, hatte er geantwortet, dass er ja Astronaut werden wolle und nicht Aquanaut. Aber so waren die Regeln.

Der Anzug wog über 40 Kilo und allein der Weg aus dem Ankleideraum bis zum Becken war eine Kraftprobe. Die anderen drei gingen vor ihm her. Leube fand, dass sie aussahen wie Pinguine. Einer nach dem anderen kletterte rückwärts an der Leiter hinunter ins Wasser. Als er die Leiter losließ, war es ihm, als ob ihn jemand nach unten zöge. Er ruderte zu der Ausgangsposition, es war besser, schneller zu starten, denn auch das Paddeln an einer Stelle war sehr anstrengend.

Der Ausbilder mit der Stoppuhr senkte den Arm und die vier Kandidaten schwammen los. Leube versuchte, Bewegungen und Atmung zu koordinieren und die Intervalle gleichmäßig zu halten. Langsam machte er Fortschritte, noch zwei Schläge, jetzt hatte er das erste Drittel hinter sich gebracht. Der Anzug bremste ihn gewaltig und die Schuhe an den Füßen waren keine Hilfe.

Im Kopf summte er ständig eine Melodie und zählte dabei bis acht. Es war die gleiche Methode, mit der er auch Dauerläufe überstand. Und dies hier war kein Dauerlauf, sondern es waren nur lächerliche 75 Meter. Er versuchte, sich auf das Zählen zu konzentrieren. Die Muskeln fingen an, schwerer zu werden. Jetzt hatte er das zweite Drittel der Gesamtstrecke geschafft. Schwerfällig wie eine Schildkröte wendete er. Er stellte sich vor, hoch oben neben der Weltraumstation im Weltraum zu schwimmen, unter ihm die ganze Pracht der Erde. Eine Bewegung nach der anderen. Er summte ständig wieder die gleichen Takte. Er spürte seine Beine nicht mehr, seine Arme auch nicht. Immer weiter, sagte er sich. Dann berührte ihn eine Hand am Arm. Sie hielt ihn fest. Er war angekommen. Er griff nach dem Metallstab in der Beckenwand und hielt sich fest. Dann wurde ihm dunkel vor den Augen und ein Betreuer sprang ins Wasser, um ihn am Untergehen zu hindern. Der Astronaut hatte es geschafft.

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