(183) Jeder mit einer Tasse dampfenden Tees in der Hand saßen die vier Guerillagärtner in Jens‘ Geräteschuppen.

von Alain Fux

Jeder mit einer Tasse dampfenden Tees in der Hand saßen die vier Guerillagärtner in Jens‘ Geräteschuppen. Das Licht der Glühbirne warf bizarre Schatten der unter der Decke aufgehängten Rechen, Hacken und Schaufeln auf die Gesichter.

„Das war richtig so“, bestätigte Ulla, „wir waren da fehl am Platz. Ja, wir wollen den urbanen Raum wieder erobern, aber nicht so.“ – „Es gibt genügend herrenlose Orte, die man instand setzen kann. Ich brauche mich dafür nicht am Besitz anderer zu vergreifen“, bestärkte sie Vicki. „Was meinst du, Patrick“, fragte Jens. „Mir geht das Gequatsche auf den Zeiger“, antwortete Patrick barsch. „Kommt, lasst uns etwas pflanzen gehen. Dafür sind wir doch zusammen.“

Das fanden auch die anderen eine gute Idee. Sie wählten ihre Geräte aus, nahmen zwei Paletten mit blutrotem Storchschnabel und Fetthennen sowie einen Sack mit Mutterboden und machten sich auf den Weg.

Ihr Ziel war eine Verkehrsinsel in der Mitte einer viel befahrenen Straße. Etwas Unkraut wucherte in der staubig trockenen, harten Erde. Sonst lagen da nur Hamburgerpapier, Hundekottüten oder anderer Abfall. Sie sammelten zuerst den Müll ein. Dann lockerten sie die Erde und gaben weiteren Mutterboden dazu. Schließlich setzten sie die Pflanzen in ausgestochene Löcher in die Erde und gossen sie.

Ulla stand am Straßenrand und passte auf, dass niemand sich näherte, der sie an ihrem Plan hindern konnte. Es gab aber nur die üblichen Reaktionen von Autofahrern: Entweder merkten sie gar nichts, schauten nur tumbe herüber oder aber reckten begeistert den Daumen. Mehrere Anwohner kamen und erkundigten sich, was denn dort vor sich gehe. Ulla erklärte, dass es darum ginge, mehr Grün in die Stadt zu bringen. Einer der Nachbarn versprach, die Pflanzen auch mal zu gießen. Ulla glaubte ihm nicht, bedankte sich aber trotzdem. Ein anderer wollte mitmachen und Ulla gab ihm eine Internet-Adresse. Nach einer halben Stunde war die Aktion beendet und die vier standen zusammen und betrachteten zufrieden ihr Werk.

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