(181) Als Herr Schilling an der Wohnungstür eintraf…

von Alain Fux

Als Herr Schilling an der Wohnungstür eintraf, warteten die beiden Streifenbeamten bereits im Treppenhaus auf ihn. Sie gingen ein Stockwerk tiefer und besprachen kurz den Einsatz. Schilling erklärte den Aufbau der Alarmanlage und den Schnitt der Wohnung. Die Polizisten drängten darauf, dass er ihnen den Wohnungsschlüssel aushändigte und sie zuerst hinein gingen. Das Türschloss sah von außen intakt aus. Leise schloss ein Polizist die Wohnung auf und stieß die Tür sachte auf, durch die sein Kollege, die Pistole im Anschlag, hinein glitt. Der erste Polizist folgte ihm, ebenfalls mit der Waffe in der Hand. Schilling blieb vor der Tür stehen und versuchte, in die Wohnung hinein zu horchen. Er hatte die Installation der Alarmanlage selbst beaufsichtigt und hoffte, dass es nicht nur ein falscher Alarm war.

Als er von innen Schreie hörte, lächelte er gespannt.

Kurz darauf wurde im Flur der Wohnung das Licht angemacht und einer der Polizisten bat ihn herein. Bei ihrem Rundgang hatten sie zuerst festgestellt, dass die Terrassentür aufgehebelt war und dann, dass ein junger Mann auf dem Klo saß und schlief. Als sie ihn anriefen, war er so erschrocken, dass er aufsprang, sich in der heruntergelassenen Hose verhedderte und der Länge nach auf den Marmorboden schlug. Er blutete an der Stirn und machte einen etwas benommenen Eindruck.

Bei der Befragung stellte sich heraus, dass der junge Mann Dennis Arnold hieß und zu den Hausbesetzern nebenan gehörte. Er hatte an mehreren Abenden beobachtet, dass die Wohnung der Herolds leer stand. Die Hygieneverhältnisse nebenan ließen sehr zu wünschen übrig, da das Haus zum Entkernen vorbereitet war. Entsprechend groß war Dennis‘ Wunsch, ein sauberes Klo und eine funktionierende Dusche zu benutzen. Über das Dach konnte er sich auf die Dachterrasse von Herolds Wohnung herablassen und die Außentür war leicht zu knacken gewesen.

Dennis sagte, er habe noch nie ein so traumhaft angenehmes Klo benutzt. Sogar die Brille war beheizt und da er übermüdet war, hatte ihn der Schlaf auf dem Klo übermannt. Die Polizisten mussten sehr lachen, als der Einbrecher behauptete, seine Tat sei höchstens ein Fall von Mundraub gewesen.

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