(179) Gero Kreis schlug den Ball mit seiner Rückhand über das Netz…

von Alain Fux

Gero Kreis schlug den Ball mit seiner Rückhand über das Netz und Günther Herold hatte keine Chance, den Passierball noch zu erreichen. „Sechs zu vier“, stellte Kreis fest. Herold war besser geworden. Als sie das letzte Mal gegeneinander spielten, hatte ihn Kreis mit zwei Mal 6:2 besiegt. „Gutes Spiel“, sagte Herold, als sie sich für eine Pause auf die Bank setzten. Sie tranken aus ihren Trinkflaschen.

„Sie hatten doch vor Jahren das Asbest-Problem, nicht?“, hob Herold an. „Wenn Sie mich noch verklagen wollen“, antwortete Kreis lachend, „dann kommen Sie zu spät, ich habe alles geregelt.“ – „Deswegen frage ich Sie auch. Ich habe da selbst ein kleines Problem. Das muss aber unter uns bleiben.“

Günter Herold war Geflügelzüchter und daran gewöhnt, wegen seiner Methoden der Geflügelhaltung am Pranger zu stehen. „Wir haben vor kurzem eine große Menge Futtermittel gekauft und verwertet. Erst vor zwei Tagen haben wir festgestellt, dass das Futter mit Dioxin kontaminiert war, weit über den Grenzwerten. Jetzt bin ich am Überlegen, wie ich damit umgehen soll. Einige Hühner sind bereits ausgeliefert, die meisten sind aber noch in den Ställen.“ – „Von Hühnerzucht habe ich natürlich keine Ahnung“, meinte Kreis, „meiner Meinung nach ist es aber wichtig, dass Sie Alternativen haben. Wenn Sie das Thema an die Öffentlichkeit bringen, müssen Sie in der Lage sein, damit umzugehen. Wir haben die negativen Folgen von Asbest erst zugegeben, als wir die Möglichkeit hatten, die gleichen Produkte ohne Asbest zu produzieren.“ – „Nun, wir haben das Futter fast vollständig verbraucht. Alles, was noch übrig war, haben wir gestern vernichtet. Es steckt jetzt in den Hühnern drin.“ – „Wie schädlich? Fällt man gleich davon um?“ – „Das nicht, möglich sind schwere Leberschäden, Herz-Kreislauf-Störungen. Möglicherweise ist das Zeug karzinogen.“ Kreis nickte. „Wissen Sie, es ist eine Frage der Wahrscheinlichkeit. Wie wahrscheinlich ist es, dass es herauskommt, bevor die Hühner verwertet sind? Wenn man davon nicht tot umfällt, ist die Wahrscheinlichkeit ja nicht so hoch, scheint mir. Aber ich habe keine Ahnung von Hühnern. Das müssen Sie selbst am besten wissen. Zweiter Satz?“ Kreis nahm sich vor, erst einmal Eier und Hühnchen von seinem Speiseplan zu streichen.

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