(178) Der Bürgermeister stützte sich auf das Rednerpult…

von Alain Fux

Der Bürgermeister stützte sich auf das Rednerpult und betrachtete salbungsvoll das Publikum. „Gero Kreis ist nicht nur ein erfolgreicher Forscher, sondern ein tüchtiger Kaufmann mit Weitblick, der in raschem Aufstieg für seine Erfindung Absatz in sämtlichen Kulturstaaten der Erde fand und das Unternehmen in Jahren tiefsten Friedens und wirtschaftlichen Gedeihens entwickelte. Von hier aus, seiner Heimatstadt, nahm der vielseitig verwendbare Werkstoff AIWON seinen Siegeszug durch die ganze Welt. Herr Dr. Kreis, wir präsentieren Ihnen unsere herzlichsten Glückwünsche zu Ihrem Geburtstag und freuen uns auf die vielen weiteren, die noch folgen werden.“

Das Publikum in der Gemeindehalle applaudierte gemeinsam mit dem Bürgermeister, alle Augen waren auf den Jubilar gerichtet.

Dr. Kreis schien feuchte Augen zu haben und sehr bewegt zu sein. Nach einigen Augenblicken erhob er sich und schritt selbst zum Rednerpult. „Vielen Dank, Herr Bürgermeister. Auch ich weiß die vertrauensvolle Zusammenarbeit und die Unterstützung, die wir durch Sie erfahren, sehr zu schätzen. Ich bin stolz, ein Sohn dieser Stadt zu sein.

Sie waren in Ihrer Laudatio in meinen Augen zu freundlich und haben den größten Fehler verschwiegen, den ich selbst gemacht habe. Lassen Sie es mich konkret ansprechen: Wir wussten nichts von der Gefährlichkeit des Asbests. Wir sahen nur seine Vorteile und wollten den Menschen mit einem vielseitigen und günstigen Produkt helfen. Es war für mich ein großer Schock, als ich zum ersten Mal Studien las, die einen Anfangsverdacht für seine Karzinogenität belegten. Sehr schnell haben wir damals reagiert und unsere Produktpalette umgestellt. Wir waren einer der ersten Produzenten weltweit, die vollständig auf Asbest verzichtet haben. Damit konnten wir unsere Marktposition ausbauen und haben AIWON zu einem multinationalen Konzern gemacht, der seinen Hauptsitz aber immer noch hier hat. Über die Jahre konnten wir die Zahl unserer Mitarbeiter ständig steigern und es bedeutet mir sehr viel, dass AIWON auch heute noch der größte Arbeitgeber in der Region ist. Sie können sich sicher sein, dass ich auch weiterhin meine Kraft einsetzen werde, um meiner Heimatstadt ein guter Sohn zu sein.“

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