(174) Knut Faber hastete die Treppen hoch zur Wohnung seiner Freundin, Gritt Hoffmann.

von Alain Fux

Knut Faber hastete die Treppen hoch zur Wohnung seiner Freundin, Gritt Hoffmann. Er war spät dran und sie erwartete ihn zum Essen. Die Tür war nur angelehnt. Er schlüpfte hinein und hängte seinen Parka an die Garderobe. Vor dem Spiegel strich er sich schnell die Haare glatt und ging dann in die Küche. Gritt saß am Tisch und starrte ihn vorwurfsvoll an. „Tut mir leid“, sagte er, „wir hatten einen Notfall. Man hat eine gelbe Anakonda gefunden und zu uns gebracht. Hatte ich noch nie gesehen. Tolles Tier.“ Sie sagte nichts.

„Es tut mir wirklich leid. Ich hätte dich auch angerufen, aber es war so hektisch und dann habe ich mein Handy nicht gefunden. Ich bin sofort hierhergekommen.“ – „Wir müssen reden“, sagte sie. ‚Oh je‘, dachte er, setzte sich und verfiel in Duldungsstarre.

Gritt erklärte ihm, dass sie sich zu schade sei, ihr Leben mit einem Loser zu verbringen. Knut sei ohne jegliche Ambitionen und lasse sich von der Welt herum schieben. Sie habe keine Lust mehr, ständig auf ihn warten zu müssen und ständig um Verzeihung gebeten zu werden. Seine Geschichten von seinem Beitrag zur Rettung der Tierwelt seien nur ein Deckmantel für seine Lahmarschigkeit.

„Ich habe jemand anderen getroffen. Ich wollte es dir heute Abend sagen, aber sogar dazu kommst du zu spät. Das Essen habe ich weggeworfen. Deine Sachen, die hier überall herumlagen, habe ich in eine Tasche gepackt, sie steht unter der Garderobe. Bitte nimm sie und geh jetzt.“

Er hatte die ganze Zeit über nur auf seine Hände gestarrt und nach irgendetwas gesucht, was er ihr hätte entgegnen können. Aber sie schien es zu spüren, denn jedes Mal, wenn er an einen möglichen Einwand dachte, sprach sie genau diesen Punkt an und zerstörte ihn, bevor Knut ihn auch nur hervorbringen konnte.

Jetzt, nachdem sie geendet hatte, saß sie nur da und sagte wieder nichts mehr. Er schaute zu ihr auf, sie wich seinem Blick aus. Dann trat er in den Flur, griff die kleine Sporttasche, zog seinen Parka an und verließ die Wohnung.

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