(173) Es muss aufhören!

von Alain Fux

„Es muss aufhören“, Götz Reichler unterstrich seine Worte, indem er mit der Handfläche auf den Tisch schlug, „diese Trophäenjagden sind eine Schande. Beispiel: Jedes Jahr werden in Kamtschatka zweihundert Bären von reichen Säcken abgeknallt. Das reduziert den Bestand und früher oder später werden die Tiere ganz aussterben.“ Ilka versuchte, interessiert zu schauen. Eigentlich hatte sie beim Tierrettungsdienst angefangen, weil dort ein junger Tierarzt arbeitete, den sie sehr sympathisch fand. Meistens hatte sie aber Bereitschaft mit Götz, dessen Militanz sie nervte.

Bevor Götz noch einmal ausholen konnte, klingelte das Notfalltelefon. Götz hob ab, schrieb die Adresse auf und sagte knapp: „Wir sind unterwegs.“ Es ging um eine Riesenschlange, die ein Radfahrer in einem Graben ausgemacht hatte. Als sie mit ihrem Lieferwagen eintrafen, standen zwei Polizeiautos davor und eine Ansammlung Neugieriger versperrte den Weg. Götz schob sich durch, Ilka hinterher. Das Tier war etwas unter zwei Meter lang, armdick und lag träge in dem Graben. „Ich bin kein Experte“, sagte Götz zu dem Polizisten, der ihn gerufen hatte, „aber das scheint mir eine gelbe Anakonda zu sein. Ungiftig. Mag Wasser, aber hier müsste es ihr etwas zu kalt sein, die kommt vom Amazonas.“ – „Das ist ein weiter Weg für so ein Kriechtier“, meinte der Polizist trocken. „Wahrscheinlich aus einen Terrarium ausgebüxt. Was machen wir?“, fragte Götz. „Können Sie das Ding in den Zoo fahren?“

Mit der Hilfe von zwei Polizisten gelang es Götz und Ilka die Schlange in den Lieferwagen zu hieven. Das Tier war apathisch, es war einfach zu kalt. Sie legten es in eine Plastikbox, deren Deckel sie mit Zurrbändern fixierten. Während der Fahrt rief Ilka im Zoo an und kündigte den Gast an.

Götz fuhr fort mit der Aufzählung weiterer Abschusszahlen deutscher Jäger im Ausland. Kurz bevor sie am Zoo ankamen, beschloss Ilka, ihre gemeinnützige Mitarbeit bei der Tierrettung einzustellen.

Advertisements