(158) Lena mochte es nicht, mit unabhängigen Mittelsmännern zu verhandeln.

von Alain Fux

Lena mochte es nicht, mit unabhängigen Mittelsmännern zu verhandeln. Es mangelte dabei an der Leidenschaft, die aus einem guten Deal einen exzellenten machen konnte. Außerdem war noch jemand am Tisch, der a) mit verdiente, b) mit quatschte und c) überflüssig war.

Jerry Carinola, der ihr jetzt zusammen mit seinen Geschäftspartnern Lou und Mike in der Bar gegenüber saß, hatte ihr über einen gemeinsamen Bekannten seine Telefonnummer geschickt. Nach einem ersten Telefonat hatten sie sich verabredet.

Die drei sahen aus, als ob sie eher beim Bowling zuhause wären als bei einem Waffendeal. Amateure. Und dann auch noch drei auf einem Haufen. Am Telefon hatte Jerrys Exposé für Lena wie eine abgedroschene Geschichte geklungen. Die Drei arbeiteten für einen afrikanischen Rebellenführer, der Zugang zu Diamanten hatte und mit diesen Diamanten Waffen kaufen wollte, um seine Rebellion erfolgreich mit der Machtübernahme abzuschließen. Jerry hielt ihr ein Säckchen hin, sie solle sich von der Qualität der Diamanten überzeugen. Lena machte keine Anstalten, das Säckchen zu nehmen. „Keine Steine“, sagte sie, „es läuft so: Cash im Voraus auf ein Offshore-Konto. Was wollen Sie denn kaufen, meine Herren?“

Lou räusperte sich und las aus seiner Kladde vor: „AK-47, MGL, M60, C4, RPG-7…“ – „Monoblock oder Tandemhohl?“, unterbrach ihn Lena. Die Drei blickten sich fragend an. „Lenny, wie meinen Sie das?“, fragte Jerry. „Das sind die Raketen für die RPG. Monoblock- oder Tandemhohlladung? Oder vielleicht thermobarisch? In Splitterausführung?“

Sie genoss die Verwirrung, die sie erzeugte. „Meine Herren, ich weiß es sehr zu schätzen, dass Sie sich so nobel für Ihren afrikanischen Freund einsetzen. Ich arbeite aber nur mit Leuten, die meine Sprache sprechen. Nehmen Sie es nicht persönlich, es ist nur ein Prinzip. Wenn Ihr Freund das Spielzeug auf seiner Wunschliste unter dem Weihnachtsbaum finden möchte, dann soll er mir jemanden schicken, der auch damit spielen möchte und kann.“

Sie erhob sich. „Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend. Es hat mich gefreut, Sie kennen zu lernen.“ Sie drückte jedem der Drei mit einem großen Lächeln die Hand und ließ sie verwirrt zurück.

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