(154) Lissy ging ins Bad, um sich etwas frischzumachen…

von Alain Fux

Lissy ging ins Bad, um sich etwas frischzumachen und um in ihren seidenen Morgenmantel zu schlüpfen. Sie hoffte, dass René sich schon ausgezogen hatte und nackt unter der Decke lag. Sie mochte es nicht, Männern beim Ausziehen zuzuschauen – oder ihnen sogar dabei zu helfen. Es war unelegant und törnte sie ab. Außerdem erinnerte es sie an Herrn Uhlmann, der sich einmal, während sie ihm aus der Hose half, in ihren Rücken übergab. Ein nackter junger Körper zwischen frischen Laken war etwas anderes.

Als sie herauskam, saß René allerdings noch angezogen auf dem Bett. Sie war enttäuscht, aber vielleicht war er ja zu schüchtern. Er schaute sie an und sagte: „Lissy, ich muss dir etwas sagen, bevor es mit uns ernster wird.“ – „Oh“, antwortete sie, „jetzt wird es schon ernst und ich hatte noch nicht mal meinen Spaß.“ Das klang nicht gut.

René erzählte ihr, dass er vor sieben Jahren nach Belize zum Surfen gereist war. Es war sehr schön gewesen, wenn auch sehr spartanisch. Vor einem Jahr musste er zum Arzt gehen, weil er Taubheitsgefühle in den Unterschenkeln hatte, die manchmal bis hin zu Lähmungen gingen. Der Arzt hatte zuerst einen Verdacht auf Multiple Sklerose geäußert. Weitere Untersuchungen ergaben aber, dass es eine tropische Krankheit war, die er sich in Belize eingefangen hatte. Die Tropische Spastische Paraprese sei zwar nicht tödlich, schwäche den Körper aber kontinuierlich.

Lissy war betroffen und fragte, worin sich das äußerte. René erklärte ihr stockend, dass er Zeichen von Inkontinenz aufweise und sich auch nicht mehr völlig auf seinen Schließmuskel verlassen könne. Deshalb müsse er Windeln tragen.

Sie war nach dieser Offenbarung einen Augenblick still. Dann kreuzte sie ihre Arme vor ihrem Busen, der auch durch den Seidenstoff noch sehr straff aussah, und sagte: „Ich glaube, du solltest jetzt gehen. Ich wünsche dir viel Glück. Es tut mir leid.“

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