(153) Auf dem Rückweg erklärte er ihr, dass sein Freund André Fotograf war…

von Alain Fux

Auf dem Rückweg erklärte er ihr, dass sein Freund André Fotograf war, mit der Spezialität Baby- und Kinderfotos im Schnee. Ein Set, das er für 149 Franken im Angebot hatte, beinhaltete einen Eisbären, der sich mit auf das Foto legte. Natürlich war es kein richtiger Eisbär, sondern ein als Eisbär verkleideter Mensch. Und diese Rolle übernahm René, das hatte er André versprochen. Danach würde er Lissy wieder ganz zur Verfügung stehen. „Vielleicht gefällst du mir ja so gut in dem Eisbärenfell, dass ich gar nicht mehr will, dass du es ausziehst“, neckte sie ihn. „Na, ich weiß nicht“, beschied er, „sehr sexy sieht das Kostüm wirklich nicht aus.“

Es war wirklich eine ziemlich unförmige Verkleidung unter dem man die Körperformen von René (‚und seinen knackigen Hintern‘, fügte Lissy im Geiste hinzu) nicht erkennen konnte. Mit seinen Zotteln erinnerte es an einen Albino-Rastafari.

Lissy wurde Zeugin von verschiedenen Einstellungen, die zwischen André und René abgesprochen sein mussten, denn sie brauchten sich nicht zu verständigen. Ein Mal saß René auf einer Bank und hatte das Baby auf den Knien. Dann stellte er sich in voller Höhe hin und hielt das Baby hoch über sich. Mit dem Kind redete er dazwischen ständig und es kicherte laut vor sich hin. Am Ende legte sich René mit dem Rücken in den Schnee und legte das Kind auf seinen Bauch, so wie Balu und Mogli im Dschungelbuch. Die Eltern waren begeistert und als René aus dem Umkleideraum kam, warteten sie auf ihn und steckten ihm ein Trinkgeld zu.

Lissy gefiel die Art, wie er mit dem Baby umgegangen war – es ließ auf eine insgesamt zärtliche Art schließen, hoffte sie. Sie nahm ihn an der Hand und führte ihn in Richtung Hotel.

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