(147) Plonk, plonk, plonk, machte der Pogo Stick in der Küche.

von Alain Fux

Plonk, plonk, plonk, machte der Pogo Stick in der Küche.

Marieluise stieg aus dem Keller hoch. „Rosalie! Hör sofort damit auf. Wie oft habe ich dir gesagt, dass du damit nur im Garten spielen darfst! Der Pogo Stick bleibt draußen.“ Sie wand ihrer Tochter den Stick aus den Händen und stellte ihn draußen vor die Gartentür. Rosalie sah aus, als ob sie gleich vor Wut platzen würde. Ihr Gesicht lief rot an und verzerrte sich. Marieluise fragte sich dann jedes Mal, von wem sie das nur hatte. Es gab sonst niemanden in der Familie, der ähnlich jähzornig werden konnte.

Ihre Tochter stampfte auf. Ein Mal, zwei Mal, immer weiter, so als ob sie noch auf ihrem Stick stünde. Marieluise versuchte, sie zu ignorieren und wechselte ins Wohnzimmer. Rosalie folgte ihr, stampfend und schnaufend. Marieluise drehte sich um, stemmte die Hände in die Hüften: „Was soll das? Suchst du Streit? Oder willst du heute sehr früh ins Bett gehen?“ Zur Antwort stampfte Rosalie nur auf. ‚Ich denke, das bedeutet ja‘, dachte Marieluise. Sie hoffte, dass Theo bald kommen würde. Wenn Rosalie derart schlechte Laune hatte, konnte er sie eher zur Vernunft bringen als Marieluise. Irgendwann fiel ihr nichts Besseres ein als ihrer kapriziösen Tochter zu erlauben, den Fernseher einzuschalten. Gleichzeitig machte sie sich Vorwürfe, damit ihre eigene Autorität zu untergraben. Aber wenigstens war jetzt Ruhe.

Als Theo nach Hause kam, schien er genervt. Er erzählte von dem Aufruhr und den Ängsten seiner Mutter. „Aber das ist doch alles kalter Kaffee“, meinte Marieluise. „Na ja, antwortete er, „Erwin war da, heute. Ich kann sie schon verstehen.“ – „Sie sollten wegziehen, wenn ihnen das auch heute noch so nahe geht“, entgegnete Marieluise. „Ich weiß auch keinen Rat. Warum hockt Rosalie jetzt vor dem Fernseher?“ – „Sie war unausstehlich und es war die einzige legale Maßnahme, sie zur Ruhe zu bringen.“ – „Das wird ihr nicht die richtige Botschaft vermitteln. Sie wird es als Belohnung verstehen.“ – „Du hast recht, aber ich hatte gerade keinen Krocket-Schläger bei Hand.“ Sie zuckte die Schultern. Er sah sie an. Dann mussten beide laut lachen.

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