(137) Hey Konstantin!

von Alain Fux

„Hey Konstantin!“ Konstantin erkannte die Stimme sofort und drehte sich um. „Hi, Volker!“ Er stellte das Glas ab und ergriff die Schultern des Ankömmlings, der dasselbe bei ihm tat. In der Grundschule waren sie die besten Freunde gewesen. Volker hatte damals die Ambition, Schriftsteller zu werden und schrieb ständig Geschichten. Konstantin hatte es ihm gleichtun wollen, aber seine Ergüsse waren nur ein schwacher Abklatsch. Volkers Eltern waren dann weggezogen und Volker musste auf ein anderes Gymnasium.

Während des Studiums hatten sie sich wiedergetroffen – Konstantin war an der Kunsthochschule und Volker studierte Volkswirtschaft. Danach wurde Konstantin Werbefotograf, später mit eigenem Studio. Volker hatte sein Studium abgebrochen und war wieder zum Schreiben zurückgekehrt, allerdings für eine Werbeagentur. Beide fanden es sehr lustig, dass sich ihre Wege so doch wieder kreuzten. Bisher hatten sie allerdings noch an keinem Auftrag zusammengearbeitet.

„Bis du auf Casting-Suche hier?“, fragte Volker. „Das bin ich doch immer. Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, die Essenz der Schönheit zu finden.“ – „Manchmal hilft es auch, das Gegenteil zu finden. Erst durch wahre Hässlichkeit erschließt sich einem die Schönheit“, dozierte Volker. „Du bist immer noch der gleiche Knallkopf“, lachte Konstantin, „aber als Werbetexter hast du dein Traummedium gefunden.“ – „Ich gebe es zu“, erwiderte Volker, „für alles andere wäre meine Aufmerksamkeitsspanne auch zu kurz, nur ein Schatten, der vorüber streicht. Außer vielleicht zum Werbefotografen. Hast du Lust, noch mit zu einer anderen Party zu fahren? Du hast doch bestimmt ein Auto, oder?“ – „Klar. Wo geht es hin?“ – „Zu einem Ort zelebrierter Hässlichkeit: Eine Zombie-Party.“ – „Klingt gut. Als Werber kann man uns glücklicherweise das Hirn ja nicht wegfressen. Aber wir brauchen das entsprechende Outfit.“ – „Wir könnten uns die Nasen blutig hauen…“ – Ich habe eine bessere Idee“, entschied Konstantin.

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