(136) Der Gastgeber der Party war Heiko Frings…

von Alain Fux

Der Gastgeber der Party war Heiko Frings, der Freund eines Bekannten von Konstantin. Genauso gut hätte man auch sagen können, der Bekannte eines Freundes oder der Bekannte eines Bekannten… Konstantin machte hier keinen großen Unterschied. Seine Aufträge bekam er fast ausschließlich aus dem Kreise seiner tausend besten Freunde, pflegte er zu sagen.

Heiko war Architekt und nutzte seine Wohnung als Showcase seines Könnens. Entsprechend minimalistisch eingerichtet, karg und unbequem schien Konstantin die Behausung. Er stellte sich vor, dass es in einem verborgenen Teil des Hauses noch eine Kammer geben müsse mit Teppichen, Tierfellen, Ölschinken an der Wand und Zinntellern auf Eichenholz-Anrichten.

Er war froh, dass Heiko ihn gleich an der Tür empfing, sonst hätte er ihn bestimmt nicht wiedererkannt. Heiko schien sich wirklich zu freuen, vielleicht dachte er auch nur, dass Konstantin Fotos für eine Einrichtungszeitschrift schießen würde. Zumindest war er an seiner Spiegelreflex gleich als Fotograf erkennbar. Die Party war schon sehr gut im Gange. Die Chillout-Musik war eher leise, denn Heiko war es wichtig, mit seinen Gästen zu reden. Ab und zu drehte einer der Eingeladenen den Lautstärkeregler an der Anlage hoch, bis es Heiko merkte und die Lautstärke wieder drosselte.

Konstantin durchquerte die Wohnung, um ein Gefühl für die Räumlichkeiten zu bekommen. Hinten heraus war eine Dachterrasse, von der man einen weitläufigen Blick über die beleuchtete Stadt hatte. Am Horizont war es sehr hell, dort lag der Hafen. Die Wohnung würde er sich merken. Als Location für eine Margarinewerbung könnte sie passen.

Auf den ersten Blick waren ihm bei seinem Durchgang keine neuen Gesichter aufgefallen. Die Männer schienen alle Kunden oder mögliche Kunden von Heiko zu sein. Es waren Leute, die es sich leisten konnten, einen Architekten zu beschäftigen und denen es wichtig war, wie die Welt sie einschätzte.

Bei den meisten Frauen vermied es Heiko, genau hinzusehen. Harte, verbrauchte Gesichter mit zerrupften Augenbrauen, bunt bemalten Lippenkissen und traurigen Piercings. Bei den Körpern gab es nur Extreme: entweder ausgemergelte KZ-Leiber oder obszön gespannte Whales. Bei den Männern registrierte er eine ähnliche Tendenz. Wahrscheinlich würde irgendwann der letzte optisch annehmbare Mensch ausgestorben sein und alle Werbebilder würden vollständig am Computer erstellt werden.

Konstantin schenkte sich ein Mineralwasser ein und blickte auf die Uhr. Wenn innerhalb der nächsten fünf Minuten niemand auftauchen würde, der entweder so schön oder so hässlich war, dass er seinen Blick anzog, würde er wieder gehen.

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