(135) Konstantin Pohl legte das Mautgeld mit der linken Hand auf den Metallteller.

von Alain Fux

Konstantin Pohl legte das Mautgeld mit der linken Hand auf den Metallteller. Mit der rechten Hand nahm er die Kamera vom Beifahrersitz, hielt sie an sein Auge und fragte: „Darf ich Sie fotografieren?“

Verblüfft schaute ihn die Kassiererin an. Dann dämmerte es ihr: „Sie sind das, dieser Verrückte…“ Sie musste lachen. „Ich habe schon von Ihnen gehört.“ Konstantin drückte ab, das Blitzlicht feuerte. „Vielen Dank, Sie sind ein Schatz“, rief er, drückte den Fuß auf das Gaspedal und brauste los auf die Brücke, für deren Überquerung er gerade gezahlt hatte.

Wenn Konstantin guter Laune war, machte er Fotos von Mautstellenkassiererinnen und –kassierern. Er ordnete diese Fotos in ein Album ein und mittlerweile war es halb gefüllt mit verdutzt aussehenden oder lachenden Frauen und Männern in Mautkassen.

Konstantin war gerade bester Laune, denn er hatte die Testaufnahmen für das Mobilfunkunternehmen abgeschlossen. Er hatte den Eindruck, dass die Idee mit den orangefarbenen Zentai-Anzügen gut ankommen würde. Mal sehen, was sein Assistent Helge daraus machen würde. Übermorgen würde Konstantin der Agentur die Abzüge präsentieren und er erhoffte sich damit das OK, die Fotos noch einmal mit großem Budget zu wiederholen. Seiner Meinung nach würden die ersten Abzüge, quick und dirty, besser sein als das geleckte Endprodukt. Aber der Kunde sollte bekommen, was er verlangte und Konstantin verdiente auch besser an großen Aufträgen als an kleinen.

Die Darsteller müssten auf jeden Fall ausgetauscht werden. Konstantin hatte Sportstudenten genommen wegen der athletischen Körper, fand aber ihre Bewegungsabläufe zu fade. Für die eigentlichen Aufnahmen würde er Schauspieler nehmen. Die wussten sich besser zu bewegen und waren dankbar für jeden Job.

Jetzt war der anstrengende Teil seines Tages zu Ende und er war unterwegs zu einer Party, wo hoffentlich ein paar unentdeckte Schönheiten auf ihn warteten. Manchmal ergab sich daraus auch mehr. Als er am höchsten Punkt der Brücke angekommen war, streckte Konstantin seinen Arm aus dem Cabrio gegen Himmel und spürte den frischen Wind auf seiner Hand.

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