(133) Siegfried Pabst konnte sich noch sehr gut an sein erstes Auslandsengagement erinnern.

von Alain Fux

Siegfried Pabst konnte sich noch sehr gut an sein erstes Auslandsengagement erinnern. In den 1930ern war er als 16-Jähriger von zu Hause weggelaufen. Er arbeitete als Pianist auf einem Dampfer nach Asien und bezahlte so die Überfahrt.

In Shanghai fand er ein Engagement im mondänen Shanghai-Club, einem berüchtigten Treffpunkt der Unterwelt. Besitzer und Geschäftsführer des Nachtklubs war Yu Sheng Ho, inoffiziell der Pate von Shanghai, der ihn selbst eingestellt hatte. Ausschlaggebend für Ho war gewesen, dass Pabst den Star des Clubs, die bildhübsche Singh-Sung, am Flügel begleiten konnte. Singh-Sung war die Geliebte des Paten und von Pabsts Spielweise sehr angetan.

Der Club war sehr glamourös, die High Society ging dort ein und aus. In der Stadt gab es durch die französischen und englischen Handelsniederlassungen einen immensen Reichtum. Gleichzeitig war die Stadt auch ein gefährliches Pflaster wegen des Glücksspiels und des Opiumhandels. Die Polizei war notorisch korrupt und es galt das Gesetz des Stärkeren. Siegfried Pabst verlor in dem Club seine Unschuld, und zwar an Mai-Ling, die Schwester von Yu Sheng. Mittlerweile waren ihm von dieser Zeit besonders die positiven Aspekte in seinen Erinnerungen geblieben. Allerdings war es damals sehr gefährlich für ihn geworden.

Plötzlich brach ein Bandenkrieg aus und Singh-Sung wurde im Club ermordet. Die ganze Scheinwelt brach in sich zusammen. Siegfried Pabst bekam Angst um sein Leben und verließ Shanghai auf dem Seeweg zurück nach Deutschland.

Kurz nach seiner Ankunft musste er erneut die Flucht ergreifen, diesmal vor den Nazis. Er wanderte schließlich nach New York aus. Dort arbeitete er viel am Broadway und machte sich vor allem als Arrangeur einen guten Namen. Im Alter kehrte er nach Deutschland zurück, schrieb Filmmusik und setzte sich schließlich in dem Altersheim zur Ruhe.

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