(132) Eines Tages eröffnete Ernst Koch Rüdiger…

von Alain Fux

Eines Tages eröffnete Ernst Koch Rüdiger, dass er nach langem Nachdenken eine Lösung für das Erbschaftsthema gefunden habe. Koch glaubte an Vorahnungen. Seine Vorahnung bedeutete ihm, dass er bald sterben werde. Er spüre es.

Seit seinem schweren Unfall und des darauffolgenden langen Krankenhausaufenthaltes war Koch nicht mehr bei einem Arzt gewesen. Er meinte, er habe die Gesamtsumme aller Arztkontakte, die einem Menschen vergönnt seien, bereits mehrfach überschritten. Deshalb war es auch schwierig, seine körperliche Verfassung überprüfen zu lassen und gegebenenfalls Maßnahmen gegen seinen Tod zu ergreifen.

Auf jeden Fall wollte er vermeiden, dass das Erbe seinem Sohn Karl und dessen Nazisekte in die Hände fiel.

Koch hatte eine Stiftung für notleidende Künstler eingerichtet und beabsichtigte, sein gesamtes Vermögen dorthin zu übertragen. Sein Interesse an Künstlern rührte daher, dass Ernst Koch selbst gern Schauspieler geworden wäre. Der Höhepunkt seines Lebens war für ihn eine kleine Produktion, die er selbst finanziert hatte, und bei der er den Geist von Hamlets Vater spielen durfte.

Mit Rüdigers Hilfe hatte Koch ein Altersheim für Künstler ausfindig gemacht, dass er für die Stiftung kaufen wollte. Er hatte mit Bewohnern des Heims gesprochen und sie nach ihren Erfahrungen befragt, besonders nach ihren Erfahrungen mit Markus Ludwig, dem Leiter der Institution. Alle Erkundigungen ergaben ein sehr positives Bild und bestärkten Koch in seinem Entschluss.

Bei seinen Gesprächen hatte Koch auch den ältesten Bewohner des Heims, Siegfried Pabst, einen ehemaligen Musiker und Komponisten, kennen und schätzen gelernt. Die beiden Herren fanden sofort einen innigen Draht zueinander.

Der Kaufakt fand in dem Altersheim selbst statt. Nachdem der Notar wieder gegangen war, saßen Ludwig, Koch, Pabst und Rüdiger, zusammen mit ein paar weiteren rüstigen Bewohnern, bei einem Glas Wein zusammen. Ernst Koch fühlte sich in dem Umfeld sehr wohl. Er dachte daran, selbst dort einzuziehen.

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