(131) Ernst Koch war der Reichtum in die Wiege gelegt worden.

von Alain Fux

Ernst Koch war der Reichtum in die Wiege gelegt worden. Nach dem Tod seiner Eltern hatte ihn zunächst eine Tante großgezogen. Nach ihrem Tod erhielt er einen Vormund, bis er die Volljährigkeit erreichte.

Es zeigte sich früh, dass er sehr geschäftstüchtig war und das Vermögen seiner Eltern durch geschickte Investitionen mehren konnte. Durch seine Behinderung schien er ein sehr feines Gefühl für die Fähigkeiten anderer Menschen entwickelt zu haben und vertraute bei seinen Investitionen vor allem auf die richtigen Mitarbeiter. So viel Glück er auch im Geschäftsleben hatte, ansonsten schien er vom Pech verfolgt.

Koch hatte eine junge Frau kennen gelernt, die ihn wirklich liebte und hatte mit ihr einen Sohn. Allerdings starb die Frau kurz darauf an einem angeborenen Herzklappenfehler, den sie ihm verschwiegen hatte. Er machte sich große Vorwürfe, weil eine Operation, die er leicht hätte bezahlen können, die Rettung für sie gewesen wäre. Ihr Tod hatte Ernst Koch aus der Bahn geworfen. Er kümmerte sich nicht genug um seinen Sohn, aber stellte ihm zu viel Geld zur Verfügung. Karl Koch, so hieß der Sohn, war in schlechte Gesellschaft geraten. Er lebte auf dem Land in einer Wohngemeinschaft, eine Keimzelle für eine Art Neonazi-Sekte.

Rüdiger lernte Karl anlässlich mehrerer Besuche kennen und fühlte, dass er Ernst Koch vor seinem Sohn schützen musste. Der Grund von Karls Besuchen war jedes Mal Geld. Er musste jeden Monat bei seiner Sekte den Großteil seiner Einkünfte abliefern und von einem wie ihm, der einen reichen Vater hatte, erwartete man mehr als von jedem anderen.

Ernst Koch gab ihm ständig weiter Geld. „Es ist ein Fehler“, erklärte er Rüdiger, „das weiß ich. Aber wenn Sie einmal angefangen haben, gibt es kein Zurück. Ich weiß nicht, was Karl machen würde, wenn ich ihm den Geldhahn zudrehte. Ich glaube, es ist günstiger für mich, ihm Geld zu geben.“

Karl hasste Rüdiger und versteckte es nicht. Er sagte, Rüdiger habe einen schlechten Einfluss auf seinen Vater und er solle bloß aufpassen. Ernst Koch besaß noch von seinem Vater eine Mauser Hsc. Rüdiger hatte die Waffe ständig in Reichweite.

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