(123) Jutta Dombrowski hatte ihrer Freundin Frauke gerade erzählt…

von Alain Fux

Jutta Dombrowski hatte ihrer Freundin Frauke gerade erzählt, wie sie ihrem Chef, Dr. Buchbinder, einen Abschleppwagen in Island bestellt hatte. Ihres Wissens nach war es zum ersten Mal gewesen, dass er überhaupt seinen ein-Kilometer-Radius um die Apotheke herum verlassen hatte. „Für die Midlife Crisis ist er ja eigentlich etwas zu alt. Außerdem glaube ich, dass Männer eher eine Harley Davidson kaufen als nach Island zum Vulkan zu fliegen“, sinnierte Jutta. „Ich denke, er hatte einen Aussetzer und wird sich wieder bekrabbeln“, entgegnete Frauke.

„Auf jeden Fall“, sprach Jutta, „werden wir jetzt die Kekse killen, die du unverschämterweise mitgebracht hast. Muss ich die Einzige sein, die hier Speckröllchen ansetzt?“ – „Komm, wir machen ein Spiel“, schlug Frauke vor. „Jede von uns steckt abwechselnd Kekse in den Mund, aber ohne sie zu zerkauen. Wer die meisten Kekse in den Mund bekommt, hat gewonnen.“ – „Sehr gut“, meinte Jutta, „und der Verlierer muss seine Kekse alle essen, der Gewinner nicht. OK?“ – „Einverstanden“, antwortete Frauke.

Es war wie in einem Spaghetti-Western. Jutta und Frauke nahmen abwechselnd Kekse aus der Schachtel und steckten sie sich in den Mund. Bei den ersten elf Keksen gab es überhaupt keine Probleme. Danach mussten beide Frauen etwas umschichten, aber beide schlugen sich wacker. Ihre Wangen beulten sich aus und ihre Hälse fingen an zu kratzen wegen der von den Keksen aufgesaugten Feuchtigkeit. Bei 17 Keksen konnten beide ihre Lippen nicht mehr schließen. Bei 19 Keksen war Frauke am Ende, der letzte Keks purzelte ihr aus dem Mund. Jutta steckte noch vier Kekse hinzu, dann war auch sie am Ende.

Frauke entledigte sich ihrer Spielschuld, indem sie ins Bad lief und alle Kekse in die Toilette fallen ließ. Jutta folgte ihr und schaffte es gerade auch noch bis zur Kloschüssel. Beide mussten lachen. „Du und deine verrückten Ideen“, meinte Jutta, „aber du hast gemogelt. Du hättest die nassen glitschigen Kekse essen müssen.“ – „Pfui“, entgegnete Frauke, „das war ja ganz unmöglich. Aber du hast einen gut bei mir.“ Sie saßen wieder im Wohnzimmer und Frauke schenkte noch von dem billigen, lieblichen Rotwein nach.

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