(118) Seinem Arzt hatte Schlüter das Gefühl beschrieben.

von Alain Fux

Seinem Arzt hatte Schlüter das Gefühl beschrieben. Es fühle sich an, als ob ihm jemand ein glühendes Schwert in den Mund, den Hals herunter, weiter durch die Speiseröhre, bis hin in den Magen schieben würde. Gleichzeitig ein Gefühl von Enge und Hilflosigkeit. Jetzt war es wieder da. Er löste den obersten Knopf seines Kragens und stützte den Kopf in die Hände. „Papa, es ist so ungerecht.“ – „Was denn, Roxy?“, antwortete er tonlos.

Der Arzt hatte ihn beruhigt. Es war kein Herzinfarkt. Zur Sicherheit hatte er zwar ein EKG angefertigt, aber bereits vorher hatte er Schlüter Entwarnung gegeben. „Sie leiden unter Reflux, auch noch als Sodbrennen bekannt.“ Der Arzt ging von einer nervösen Ursache aus. Schlüter hatte seit fast einem Jahr seine Ernährung umgestellt und verzichtete jede Woche an drei Tagen auf das Abendbrot. Trotzdem kam der Reflux immer wieder. „Ich will am Samstag eine Stunde länger weggehen und Mutti will nicht. Aber Hakon hat sie heute einen Hund versprochen.“

Schlüter atmete tief durch, das hatte ihm sein Arzt geraten. Es schien das Sodbrennen nicht direkt zu stoppen, aber zumindest fühlte er sich dadurch ruhiger, bis die Wirkung der Tabletten einsetzte.

„Schatz, das tut mir Leid. Mutti hat im Moment sehr viel um die Ohren. Da kann es schon mal vorkommen, dass sie etwas sagt, das ungerecht klingt, oder?“ – „Aber das ist immer so. Nicht nur heute. Sie ist so ungerecht. Papi, kann ich am Samstag etwas länger wegbleiben? Nur eine Stunde? Von all meinen Freundinnen wird keine kürzer gehalten als ich. Bitte, bitte.“ – „Ich habe eine Idee, Roxy. Heute ist Mittwoch. Bis Samstag ist es noch einen Moment. Heute Abend, wenn ich zu Hause bin, reden wir noch einmal in Ruhe darüber. OK? Wir werden eine Lösung finden. Niemand will dich ungerecht behandeln. Deine Mutter und ich lieben dich sehr.“ – „Danke, Papi, du bist ein Schatz.“

Matt lächelnd und seine Brust massierend legte Schlüter auf. Logistik war eine Kunst. Kinder auch, aber viel schwieriger. „Das Problem des Handelsreisenden“, hörte er sich leise sagen.

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