(117) Gerd Schlüter war Logistikchef eines mittelständischen Unternehmens für Sanitärkeramik.

von Alain Fux

Gerd Schlüter war Logistikchef eines mittelständischen Unternehmens für Sanitärkeramik. Gerade waren drei Studienanfänger der Fachhochschule (Ausrichtung Logistik) zu Gast bei ihm. Er wollte den jungen Männern einen Einblick in seinen Arbeitsalltag geben. Daraus erhoffte er sich, Kandidaten zu gewinnen für Aushilfsjobs, Praktika oder auch Festeinstellungen.

„Wie planen Sie die Routen der Fahrer, um alle Baumärkte anzusteuern?“, las einer der Studenten von seinem Zettel ab. „Das ist eine sehr wichtige Frage“, antwortete der Manager erfreut. „Im Detail werden Sie dies in Ihrem Studium behandeln. Es ist eine klassische Frage der Logistik. Man nennt es das Problem des Handelsreisenden, oder auf Neudeutsch ‚Travelling Salesman Problem‘. Dabei berechnet man mit einem Algorithmus den günstigsten Weg, um verschiedene Punkte anzusteuern. Günstig im Hinblick auf Zeit und Geld. Bei uns wird das über eine Softwareapplikation gerechnet. Die Ziele werden aus dem Warenwirtschaftssystem übernommen und der Computer rechnet den Weg. Anschließend erhält der Fahrer eine Datei auf sein Navigationsgerät, das ihm vorgibt, wie und wo er hinfahren soll und welche Paletten er abzuliefern hat.“ – „Ist das nicht etwas eintönig für den Fahrer?“ – „Nein, die Fahrer sind froh, dass ihnen das abgenommen wird. Und es ist auch wirklich besser so, glauben Sie mir.“

Herr Schlüters Sekretärin steckte den Kopf zur Tür herein und sagte: „Gerd, Roxana ist in der Leitung. Sie meint, sie muss dich dringend sprechen“. Der Manager seufzte. „Ja, mach ich. Würdest du mit den Herren den Rundgang durch das Lager und das Dispatching machen? Danke. Meine Herren, wir sehen uns dann später wieder.“

Die drei Männer verließen das Büro mit der Sekretärin. Gerd Schlüter ergriff den Telefonhörer. „Hallo, Roxy, was ist denn los?“

Advertisements