(112) Es war nicht einfach, den Käfig mit den Shamo für den Flug einzuchecken.

von Alain Fux

Es war nicht einfach, den Käfig mit den Shamo für den Flug einzuchecken. Richard hatte eine Decke gekauft, die er in den Käfig legte. Außen, um das Gitter herum, brachte er Wellpappe an, um Zugluft zu vermeiden. Er befragte die Dame beim Check-in mehrmals, ob auch wirklich keine Gefahr bestünde und seine Hühner sicher den Flug überstehen würden. Mit viel Lächeln versicherte sie ihm, dass alles zum Besten sei und die Fluggesellschaft sehr viel Erfahrung im Transport von Tieren habe. ‚Hühner sind aber anders‘, dachte Richard noch, dann wurde der Käfig von einem Mitarbeiter der Fluggesellschaft abtransportiert.

An Bord des Flugzeugs hatte Richard einen Gangplatz neben dem Ehepaar Queck, das gerade seinen 25. Hochzeitstag gefeiert hatte und jetzt wieder auf dem Flug zurück aus ihren zweiten Flitterwochen war. Man kam ins Gespräch und Richard erzählte bereitwillig von seiner Reise nach Yagen Onsen und von dem unglaublichen Geschenk, das ihm Fumiaki Taguchi gemacht hatte.

Als der Flug Nr. 359 die Lena überflog, klagte Herr Queck über Kopfschmerzen und bemerkte, dass er sich vielleicht erkältet habe. Bis zum Jenissei hatte sich sein Befinden weiter verschlechtert. Über Moskau schließlich verspürte Frau Queck Fieberschübe bei ihrem Mann und verständigte die Stewardess. Danach wurde ein mitreisender Arzt bemüht, der Herrn Queck befragte, was er in Japan besucht habe, was er gegessen habe, ob er vielleicht mit Geflügel in Kontakt gekommen sei… Frau Quecks Augen schossen gleich zu Richard. „Er, er hat Hühner mit an Bord genommen. Japanische Hühner!“, keifte sie. Richard erklärte die Situation, der Arzt wiegte den Kopf bedeutsam hin und her. Schließlich kam der von der Stewardess herbeigerufene Flugkapitän dazu und sprach mit dem Arzt. Dann meinte der Kapitän, es sei besser, wie geplant nach Frankfurt weiter zu fliegen, da dort die medizinische Versorgung von Herrn Queck besser gewährleistet sei. Richard wurde in eine leere Sitzreihe in der ersten Klasse umquartiert und sollte sich nicht grundlos von seinem Platz entfernen.

Als das Flugzeug in Frankfurt landete, wurde es an einen Stellplatz abseits der großen Terminals gebracht und dort wurde eine Quarantäne verhängt. Eine medizinische Mannschaft in Schutzanzügen kam an Bord und untersuchte die 349 Passagiere einzeln. Diese wurden dann in ein Gebäude gebracht und ein Tierarzt untersuchte die Shamo. Nach weiteren Blutuntersuchungen und elf Stunden Wartezeit gab die Fluggesellschaft Entwarnung. Die mittlerweile vollständig zermürbten Passagiere wurden aus der Quarantäne entlassen. Bei Herrn Queck war eine Lungenentzündung entdeckt worden, er musste ins Krankenhaus.

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