(107) Prof. Schreiner schien etwas verwirrt…

von Alain Fux

Prof. Schreiner schien etwas verwirrt, als er Manuel begrüßte. Er war auf dem Weg, um Bettina zu treffen, die wissenschaftliche Assistentin seines Kollegen Neumann. Prof. Schreiner hatte seit zwei Monaten ein Verhältnis mit ihr und da er verheiratet war, gab es nicht so viele Möglichkeiten, um sich mit Bettina zu treffen. Er konnte ja schlecht zu Prof. Neumanns Sprechstunden gehen. So hatte es sich ergeben, dass ihre Treffen an Prof. Schreiners und Prof. Neumanns jeweilige Terminkalender angepasst waren und sie sich im obersten Stockwerk in einem ungenutzten Lagerraum für Turngeräte trafen.

„Herr Grosch“, sagte Prof. Schreiner, „was kann ich für Sie tun? Ich bin aber sehr in Eile. Warum lassen Sie sich nicht einen Termin bei meiner Sekretärin geben?“ Manuel war verblüfft. Der Professor für Sportpsychologie war sonst immer sehr aufgeschlossen und nie einem Gespräch abgeneigt. In letzter Zeit war er nur sehr kurz angebunden, wenn Manuel ihn auf dem Flur traf. Manuel fragte sich, ob es mit ihm zusammenhing und Schreiner speziell ihm aus dem Weg ging. Sportpsychologie war zwar nicht sein Lieblingsfach, aber er war sich sicher, dass er wesentlich besser war als der Durchschnitt von Prof. Schreiners Studenten. Er konnte dem Professor nur ein „Ja danke, mach ich“ hinterherrufen, da war dieser schon ins Treppenhaus abgebogen.

Prof. Schreiner drehte sich schnell um. Niemand in Sicht. Er hastete die Stufen der Treppe hoch. Durch das Halbdunkel des Flurs schlich er mit angehaltenem Atem und horchte auf Geräusche. Es war still. An der vorletzten Tür wartete er kurz und öffnete dann die Tür behutsam. „Ich bin es, nicht erschrecken“, flüsterte er ins Dunkel.

In der Ecke leuchtete eine Taschenlampe auf. Bettina hatte sie auf sich selbst gerichtet. Ein wohlig-warmer Druck umfasste Schreiners Brustkorb, als er erkannte, dass sie ihre Bluse für ihn geöffnet hatte und nichts darunter trug. Der Professor atmete die verstaubte Luft des Lagerraums ein. Bettina saß rittlings auf einem Pauschenpferd und erwartete ihn.

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